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Die gelbe Gefahr

4,037 words

Übersetzt von Deep Roots

English original here

Kein deutlicherer Kontrast tritt in Erscheinung, wenn man aus unserem westlichen Land zu den Papierhäusern und Kirschblüten Japans kommt, als wenn man von Korea nach China wechselt. Um zu einer korrekten Beurteilung des Chinesen zu kommen, sollte der Reisende sich zuerst mehrere Monate lang unter den Koreanern aufhalten und dann eines schönen Tages den Yalu in die Mandschurei hinüber überqueren. Es wäre von außergewöhnlichem Vorteil für die Korrektheit der Beurteilung, würde er den Yalu auf den Fersen einer feindlichen und fremden Armee überqueren.

Der Krieg ist bis heute der finale Schiedsrichter in den Angelegenheiten der Menschen, und er ist bislang der finale Test des Wertes von Völkern. In dieser Art geprüft, fällt der Koreaner durch. Ihm fehlt der Nerv zum Bleiben, wenn eine fremde Armee sein Land durchquert. Die wenigen Güter und Habseligkeiten, die er ansammeln können haben mag, nimmt er auf seinen Rücken, zusammen mit seinen Türen und Fenstern, und fort strebt er zu seinen Bergfestungen. Später mag er zurückkehren, ohne Güter, Habseligkeiten, Türen und Fenster, getrieben von unersättlicher Neugier nach „Nachschauen gehen“. Aber es ist bloß Neugier – eine ängstliche, hirschartige Neugier. Er ist bereit, beim kleinsten Anzeichen von Gefahr oder Schwierigkeiten auf seinen langen Beinen davonzuhüpfen.

Nordkorea war ein verödetes Land, als die Japaner durchzogen. Dörfer und Kleinstädte waren verlassen. Die Felder lagen unberührt da. Es gab kein Pflügen oder Säen, nichts Grünes wuchs. Wenig oder nichts konnte gekauft werden. Man trug seine eigenen Nahrungsmittel bei sich, und Nahrung für Pferde und Diener war das bange Problem, das am Ende des Tages wartete. In manch einem einsamen Dorf konnte keine Unze und kein Grain von irgendetwas gekauft werden, und doch konnte eine Menge weißgewandeter, unerschütterlicher Koreaner herumstehen, meterlange Pfeifen rauchen und schwätzen, schwätzen – unaufhörlich schwätzen. Liebe, Geld oder Zwang konnten bei ihnen kein Hufeisen auftreiben oder einen Hufeisennagel.

„Upso“, war ihre ständige Antwort. „Upso“, das verfluchte Wort, das bedeutet: „Hab’ ich nicht.“

Sie waren an diesem Tag wahrscheinlich vierzig Meilen von ihren Verstecken heruntergestreunt, nur für ein „nachschauen gehen“, und vierzig Meilen würden sie fröhlich zurückmarschieren und die ganze Zeit über das schwatzen, was sie gesehen hatten. Man schüttle einen Stock gegen sie, wie sie schwätzend um das Lagerfeuer herumstehen, und die Düsternis der Landschaft wird erfüllt sein von großen, flitzenden Geistern, hüpfend wie Hirsche, mit großen, federnden Schritten, um die man sie nur beneiden kann. Sie haben eine prächtige Konstitution und schöne Körper, aber sie sind daran gewöhnt, ohne Protest oder Widerstand von jedem zufälligen Fremden geschlagen oder beraubt zu werden, der in ihr Land kommt.

Aus diesem kraftlosen, aufgegebenen koreanischen Land ritt ich zu den sandigen Inseln des Yalu hinunter. Seit Wochen waren diese Inseln das gefürchtete Niemandsland zwischen zwei kämpfenden Armeen gewesen. Die Luft hoch oben war von kreischenden Projektilen zerrissen worden. Die Echos der letzten Schlacht waren kaum erstorben. Die Züge mit verwundeten und toten Japanern krochen vorbei.

Auf dem kegelförmigen Hügel eine Viertelmeile entfernt wurden die russischen Toten gerade in ihren Gräben und in den von den Japanern verursachten Granattrichtern begraben. Und hier, inmitten von all dem, pflügte ein Mann. Grünzeug wuchs – junge Zwiebeln – und der Mann, der zwischen ihnen jätete, hielt lange genug in seiner Arbeit inne, um mir eine Handvoll davon zu verkaufen. In der Nähe lag die rauchgeschwärzte Ruine des Bauernhauses, niedergebrannt von den Russen, als sie sich vom Flußbett zurückzogen. Zwei Männer entfernten den Schutt, räumten das Durcheinander auf und bereiteten den Wiederaufbau vor. Sie waren in Blau gekleidet. Zöpfe hingen ihnen über die Rücken. Ich war in China.

Ich ritt ans Ufer, in das Dorf Kuel-ian-Ching. Dort gab es keine faulenzenden Männer, die lange Pfeifen rauchten und schwätzten. Am Tag zuvor waren die Russen hier gewesen, eine blutige Schlacht war ausgetragen worden, und heute waren die Japaner hier – aber was gab es da drüber zu reden? Jeder war beschäftigt. Männer boten auf der Straße Eier und Hühner und Obst zum Verkauf, und Brot, so wahr ich lebe, Brot in kleinen runden Laiben oder Wecken. Ich ritt weiter ins Land. Überall war eine schuftende Bevölkerung erkennbar. Die Häuser und Mauern waren stark und fest. Stein und Ziegel ersetzte die Lehmwände der koreanischen Behausungen. Zwielicht sank herab und wurde tiefer, und immer noch zogen die Pflüge die Felder auf und ab, mit den Säern hinterher. Kolonnen schwerbeladener Schubkarren quietschten vorbei, und Pekingkarren, gezogen von vier bis sechs Kühen, Pferden, Maultieren, Ponies oder Eseln – bei den Kühen torkelten sogar ihre neugeborenen Kälber auf schwächlichen Beinen außerhalb der Zugriemen neben ihnen her. Jeder arbeitete. Alles arbeitete. Ich sah einen Mann die Straße reparieren. Ich war in China.

Ich kam in die Stadt Antung und quartierte mich bei einem Kaufmann ein. Er war ein Getreidehändler. Weizen hatte er, Hunderte von Bushels, gelagert in großen Eimern aus robustem Mattengeflecht; Erbsen und Bohnen in Säcken, und im Hinterhof drehten sich seine Mühlsteine und mahlten Mehl. Ebenfalls in seinem Hinterhof gab es Gebäude, die große in den Boden eingelassene Bottiche enthielten, und hier waren die Gerber an der Arbeit und stellten Leder her. Ich kaufte meinem Gastgeber ein Maß Korn für meine Pferde ab, und er berechnete mir dreißig Cents zuviel. Ich war inChina.Antungwar gesteckt voll mit japanischen Truppen. Es steckte mitten im Kriegsgetümmel. Aber es war egal. Die Arbeit ging in Antung gleich weiter. Die Geschäfte waren weit offen, die Straßen waren von fliegenden Händlern gesäumt. Man konnte alles kaufen, sich alles machen lassen. Ich speiste in einem chinesischen Restaurant, reinigte mich in einem öffentlichen Bad in einer privaten Wanne, wobei mir ein kleiner Junge beim Abschrubben half. Ich kaufte Kondensmilch, Butter, Dosengemüse, Brot und Kuchen. Ich wiederhole, Kuchen – guten Kuchen. Ich kaufte Messer, Gabeln und Löffel, Steinzeugteller und -krüge. Es gab Hufeisen und Hufschmiede. Ein Eisenarbeiter setzte einen neuen Entwurf für meine Zeltstangen um. Meine Schuhe wurden in Reparatur gegeben. Ein Barbier shamponierte mir das Haar. Ein Diener kehrte zurück mit Corned beef in Dosen, einer Flasche Portwein, einer weiteren mit Cognac, und Bier, gesegnetem Bier, um den Staub einer Armee aus meiner Kehle zu spülen. Es war das Land Kanaan. Ich war in China.

Der Koreaner ist der perfekte Typ der Ineffizienz – der völligen Wertlosigkeit. Der Chinese ist der perfekte Typ des Fleißes. In schierer Arbeit kann kein Arbeiter der Welt mit ihm konkurrieren. Arbeit ist der Atem seiner Nüstern. Sie ist seine Lösung der Existenz. Sie ist für ihn, was das Wandern und Kämpfen in fernen Ländern und spirituelle Abenteuer für andere Völker gewesen sind. Freiheit verkörpert sich für ihn im Zugang zu Mitteln fürs Arbeiten. Den Boden zu bestellen und sich unaufhörlich mit groben Geräten und Utensilien abzurackern, ist alles, was er vom Leben und „denen da oben“ verlangt. Arbeit ist das, was er sich vor allem anderen wünscht, und er wird an allem und für jeden arbeiten.

Während der Einnahme der Forts von Takú trug er Sturmleitern an der Spitze der Sturmkolonnen und stellte sie an die Mauern. Er tat dies nicht aus einem Gefühl des Patriotismus, sondern für die einmarschierenden fremden Teufel, weil sie ihm einen Tageslohn von fünfzig Cents zahlten. Krieg schreckt ihn nicht. Er akzeptiert ihn, wie er Regen und Sonnenschein, den Wechsel der Jahreszeiten und andere Naturphänomene akzeptiert. Er bereitet sich auf ihn vor, erträgt ihn und überlebt ihn, und wenn die Flut der Schlacht vorbeizieht, der Donner der Kanonen immer noch in den fernen Schluchten widerhallt, sieht man ihn, wie er sich ruhig über seine üblichen Arbeiten beugt. Nein, der Krieg selber trägt Früchte, von denen er welche pflücken kann. Bevor die Toten kalt sind oder die Bestattungseinheiten zur Stelle sind, ist er draußen auf dem Feld, zieht die übel zugerichteten Leichen aus, sammelt Schrapnells und stöbert in den Granatenlöchern nach Splittern und Bruchstücken von Eisen.

Der Chinese ist kein Feigling. Er trägt nicht seine Türen und Fenster fort in die Berge, sondern bleibt, um aufzupassen, wenn fremde Soldaten seine Stadt besetzen. Er versteckt seine Hühner und Eier nicht, noch irgendwelche anderen Güter, die er besitzt. Er bietet sie gleich zum Kauf an. Genausowenig kann man ihn einschüchtern, daß er seinen Preis senkt. Was, wenn der Käufer ein Soldat und Fremder ist, der durch den Sieg übermütig wurde und selbstbewußt durch die überwältigende Macht? Er hat zwei große Birnen vom Vorjahr übrig, die er für fünf Sen verkaufen wird, oder drei kleine Birnen zum selben Preis. Was, wenn ein Soldat darauf beharrt, drei große Birnen mitzunehmen? Was, wenn sich zwanzig andere Soldaten um ihn herum drängeln? Er gibt seinen Obstsack einem anderen Chinesen und rennt seinen Birnen und dem für ihre Flucht verantwortlichen Soldaten die Straße hinunter nach, und er kehrt nicht zurück, ohne eine große Birne dem Griff dieses Soldaten entwunden zu haben.

Genausowenig ist der Chinese der Typ der Beständigkeit, als der er so oft bezeichnet worden ist. Er ist neuen Ideen und neuen Methoden nicht so abgeneigt, wie es die Geschichte anzuzeigen scheint. Sicher, seine Formen, Gebräuche und Methoden sind in diesen vielen Jahrhunderten beständig geblieben, aber dies ist mehr daran gelegen, daß seine Regierung in den Händen der gebildeten Klassen war, und daß diese regierenden Gelehrten fanden, ihr Heil liege in der Unterdrückung aller progressiven Ideen. Die Ideen hinter dem Boxeraufstand und den Ausbrüchen wegen der Einführung der Eisenbahn und anderer fremder teuflischer Machinationen sind den Gehirnen der Literati entsprungen und sind durch deren Pamphlete und Propagandisten verbreitet worden.

Originalität und Unternehmungsgeist sind viele Generationen lang im Chinesen unterdrückt worden. Geblieben ist ihm nur der Fleiß, und in diesem hat er den höchsten Ausdruck seines Wesens gefunden. Andererseits ist seine Empfänglichkeit für neue Ideen sehr wohl demonstriert worden, wo immer er den ihm von seiner Regierung auferlegten Einschränkungen entkommen ist. Soweit es den Geschäftsmann betrifft, hat er weit klarer als der Japaner den westlichen Geschäftscodex, das westliche Geschäftsethos begriffen. Er hat natürlich gelernt, sein Wort oder seine Verpflichtung zu halten. Bis dato hat der japanische Geschäftsmann dies nicht verstanden. Wenn er einen Zeitvertrag unterzeichnet hat und sich ändernde Umstände dazu führen, daß er dadurch verliert, kann der japanische Geschäftsmann nicht verstehen, warum er seinen Vertrag erfüllen sollte. Es überschreitet sein Begreifen und ist für seinen Menschenverstand abstoßend, daß er seinen Vertrag erfüllen und dadurch Geld verlieren sollte. Er glaubt fest daran, daß die sich ändernden Verhältnisse selbst ihn davon freisprechen. Und so anpassungsfähig er sich in anderer Hinsicht auch erwiesen hat, begreift er eine radikal neue Idee nicht, wo es dem Chinesen gelingt.

Hier haben wir den Chinesen, vierhundert Millionen von ihm, der ein weites Land mit immensen natürlichen Ressourcen bewohnt – Ressourcen eines Zeitalters des zwanzigsten Jahrhunderts, eines Maschinenzeitalters, Ressourcen an Kohle und Eisen, die das Rückgrat der kommerziellen Zivilisation sind. Er ist ein unermüdlicher Arbeiter. Er ist nicht verschlossen gegenüber neuen Ideen, neuen Methoden, neuen Systemen. Unter einer fähigen Führung kann er dazu veranlaßt werden, alles zu tun. Wahrlich würde er von sich aus die viel verkündete Gelbe Gefahr verkörpern, wenn seine gegenwärtige Führung nicht wäre. Diese Führung, seine Regierung, ist eingefahren, kristallisiert. Sie ist es, die ihn daran bindet, zu bauen, wie seine Väter gebaut haben. Die herrschende Klasse, verwurzelt im Beispiel und der Macht von Jahrhunderten und durch den Stempel, die sie seinem Geist aufgeprägt hat, wird ihn nie befreien. Es wäre der Selbstmord der herrschenden Klasse, und die herrschende Klasse weiß das.

Hier kommt nun der Japaner. Auf den Straßen von Antung, Feng-Wang-Chang oder jeder anderen mandschurischen Stadt ist das Folgende eine vertraute Szene: Man eilt durch die Dunkelheit der unbeleuchteten Straßen nach Hause, als man auf eine am Boden stehende Papierlaterne stößt. Auf einer Seite davon hockt ein Chinese auf seinen Hinterbacken, auf der anderen Seite hockt ein japanischer Soldat. Einer taucht seinen Zeigefinger in den Staub und zeichnet seltsame, monströse Schriftzeichen. Der andere nickt verstehend, fegt die Staubtafel mit seiner Hand leer und schreibt mit seinem Zeigefinger ähnliche Zeichen. Sie unterhalten sich. Sie können nicht miteinander reden, aber sie können schreiben. Vor langer Zeit haben die einen sich die Schriftsprache der anderen ausgeborgt, und lange davor, vor unzähligen Generationen, entwickelten sie sich aus einer gemeinsamen Wurzel auseinander, der alten mongolischen Stammrasse.

Es hat Veränderungen gegeben, Differenzierungen, die von unterschiedlichen Bedingungen und Infusionen anderen Blutes herbeigeführt wurden, aber am Grunde ihres Seins, in ihre Fasern eingeflochten, gibt es ein gemeinsames Erbe – eine Wesensgleichheit, welche die Zeit nicht verwischt hat. Der Zufluß anderen Blutes, malaiisch vielleicht, hat die Japaner zu einer Rasse der Herrschaft und der Macht gemacht, einer kämpfenden Rasse in ihrer gesamten Geschichte, einer Rasse, die den Kommerz immer verachtet und das Kämpfen verherrlicht hat.

Heute, ausgerüstet mit den besten Maschinen und Systemen der Zerstörung, die der kaukasische Geist entwickelt hat, Maschinen und Systeme mit bemerkenswerter und tödlicher Genauigkeit handhabend, hat diese sich verjüngende japanische Rasse sich zu einem Weg der Eroberung aufgemacht, dessen Ziel kein Mensch kennt. Die obersten Männer Japans träumen ehrgeizig, und das Volk träumt blindlings, einen napoleonischen Traum. Und an diesen Traum klammert sich der Japaner, und er wird sich mit der Beharrlichkeit einer Bulldogge daran klammern. Der Soldat, der auf den Mauern von Wijzu „Nippon, Banzai!“ ruft, die Witwe, die zu Hause in ihrem Papierhaus Selbstmord begeht, damit ihr einziger Sohn, ihre einzige Stütze, an die Front gehen kann, drücken beide die Einmütigkeit des Traumes aus.

Die letzte Störung im Fernen Osten markierte das Aufeinanderprallen der Träume, denn auch der Slawe träumt außerordentlich. Vorausgesetzt, daß der Japaner den Slawen zurückwerfen kann, und daß die beiden großen Zweige der angelsächsischen Rasse ihn nicht seiner Beute berauben, nimmt der japanische Traum Substanz an. Japans Bevölkerung ist nicht größer, weil sein Volk ständig knapp an Mitteln zum Lebensunterhalt war. Aber wenn es das arme, leere Korea als Zuchtkolonie erhält und die Mandschurei als Kornkammer, beginnt der Japaner sich sprunghaft zu vermehren.

Selbst so würde er von sich aus keine Braune Gefahr darstellen. Er hat nicht die Zeit, um zu wachsen und den Traum zu verwirklichen. Er zählt nur fünfundvierzig Millionen, und die wirtschaftliche Ausbeutung des Planeten beschleunigt dessen Aufteilung unter den westlichen Völkern so sehr, daß er, bevor er die nötige Statur für eine Bedrohung erlangen kann, die westlichen Giganten im Besitz des ganzen Stoffes seines Traumes sehen würde.

Die Bedrohung für die westliche Welt liegt nicht im kleinen braunen Mann, sondern in den vierhundert Millionen gelber Männer, sollte der kleine braune Mann ihre Führung übernehmen. Der Chinese ist gegenüber neuen Ideen nicht verschlossen; er ist ein effizienter Arbeiter, gibt einen guten Soldaten ab und ist reich an den wesentlichen Materialien eines Maschinenzeitalters. Unter einer fähigen Führung wird er weit kommen. Der Japaner ist bereit und geeignet, diese Führung zu übernehmen. Nicht nur hat er sich als geschickter Imitator des westlichen materiellen Fortschritts erwiesen, als robuster Arbeiter und fähigen Organisator, sondern er ist auch weit geeigneter als wir, den Chinesen zu führen. Das verwirrende Rätsel des chinesischen Charakters ist für ihn kein Rätsel. Er versteht ihn, wie wir uns nie zu verstehen schulen oder erhoffen können. Ihre mentalen Prozesse sind weitgehend dieselben. Er denkt mit denselben Gedankensymbolen wie der Chinese, und er denkt in denselben eigentümlichen Bahnen. Er macht weiter, wo uns die Hindernisse des Unverständnisses Einhalt gebieten. Er nimmt die Querstraße, die wir nicht wahrnehmen können, wirbelt um das Hindernis herum, und presto! ist er außer Sichtweite in den Verzweigungen des chinesischen Geistes, wo wir ihm nicht folgen können.

Man hat den Chinesen den Typ der Beständigkeit genannt, und er hat das wohl verdient, so wie er durch die Zeitalter gedöst hat. Und genauso wahrlich war der Japaner der Typ der Beständigkeit, bis vor einer Generation, als er plötzlich erwachte und die Welt mit einer Verjüngung aufschreckte, wie man sie noch nie zuvor gesehen hat. Die Ideen des Westens waren das Gärmittel, das den Japaner belebte, und die Ideen des Westens, vom japanischen Geist in japanische Ideen übertragen, könnten leicht das Gärmittel sein, das den Chinesen belebt.

Wir haben „Afrika für die Afrikaander!“ gehabt, und an einem nicht fernen Tag werden wir hören „Asien für die Asiaten!“ Vierhundert Millionen unermüdliche Arbeiter (geschickt, intelligent und ohne Angst vorm Sterben), aufgerüttelt und verjüngt, geführt und angeleitet von fünfundvierzig Millionen zusätzlicher menschlicher Wesen, die vortreffliche Kampftiere sind, wissenschaftlich und modern, stellen für die westliche Welt diese Bedrohung dar, die treffend die „Gelbe Gefahr“ genannt wurde. Die Möglichkeit des rassischen Abenteuers ist nicht dahingeschieden. Wir befinden uns inmitten unseres eigenen. Der Slawe gürtet sich gerade, um zu beginnen. Warum sollten nicht der gelbe und der braune Mann am Anfang eines Abenteuers stehen, das so gewaltig ist wie unser eigenes und in markanterer Weise einzigartig?

Der westliche Geist weigert sich, den letztendlichen Erfolg solch eines Abenteuers in Erwägung zu ziehen. Es ist nicht die Natur des Lebens, sich selbst für schwach zu halten. Es gibt so etwas wie Rassenegoismus, genauso wie auch Kreaturenegoismus, und das ist etwas sehr Gutes. Erstens wird die westliche Welt den Aufstieg der Gelben Gefahr nicht zulassen. Sie ist fest davon überzeugt, daß sie dem gelben und dem braunen Mann nicht erlauben wird, stark zu werden und ihren Frieden und ihre Bequemlichkeit zu bedrohen. Sie fördert diese Idee mit Beharrlichkeit, und sie redet sich lange Argumente von der Leber, die zeigen, wie und warum man diese Bedrohung nicht entstehen lassen wird. Heute gibt es viel mehr Stimmen, die die Gelbe Gefahr verleugnen, als solche, die sie prophezeien. Die westliche Welt ist gewarnt, wenn schon nicht gerüstet, gegen deren Möglichkeit.

Zweitens gibt es eine dem braunen Mann innewohnende Schwäche, die sein Abenteuer scheitern lassen wird. Aus dem Westen hat er sich all unsere materiellen Errungenschaften ausgeborgt und unsere ethischen Errungenschaften umgangen. Unsere Maschinen der Produktion und der Zerstörung hat er zu den seinen gemacht. Was einst allein uns gehört hat, das dupliziert er nun, konkurriert mit unseren Kaufleuten im Handel des Ostens, verdrischt den Russen auf Meer und Land. Wahrlich ein wunderbarer Imitator, aber er imitiert uns nur in materiellen Dingen. Spirituelle Dinge können nicht imitiert werden, sie müssen gefühlt und gelebt werden, ganz in den Stoff des Lebens eingewoben sein, und hier scheitert der Japaner.

Es erforderte keine Revolution seiner Natur, um zu lernen, wie man die Entfernung berechnet und eine Feldkanone abfeuert, oder wie man im Stechschritt marschiert. Es war eine bloße Sache der Schulung. Unsere materiellen Errungenschaften sind das Produkt unseres Intellekts. Es ist Wissen, und Wissen ist, wie Münzen, austauschbar. Es ist nicht ins Erbe des neugeborenen Kindes eingehüllt, sondern etwas, das nachher erworben wird. Nicht so mit unserem Seelenstoff, welcher das Produkt einer Evolution ist, die bis zu den groben Anfängen der Rasse zurückreicht. Unser Seelenstoff ist keine Münze, die vom erstbesten eingesteckt werden kann, der des Weges kommt. Der Japaner kann ihn genausowenig einstecken, wie er sich für kurze englische Wörter begeistern kann oder wie wir uns für chinesische Hieroglyphen begeistern können. Der Leopard kann seine Flecken nicht ändern, genauso wenig der Japaner oder wir. Wir sind von den Zeitaltern zu denen gemacht worden, die wir sind, und durch keine bewußte innere Anstrengung können wir uns in einem Tag umformen. Genausowenig kann der Japaner sich in einem Tag oder einer Generation nach unserem Ebenbild umformen.

Hinter unserem eigenen großen rassischen Abenteuer, hinter unseren Räubereien auf Meer und Land, unseren Gelüsten und Gewalttaten und all den bösen Dingen, die wir getan haben, gibt es eine gewisse Integrität, eine Gewissensstrenge, eine melancholische Verantwortlichkeit fürs Leben, ein Mitgefühl und eine Kameradschaft und ein warmes menschliches Fühlen, das uns gehört, unzweifelhaft uns, und das wir den Orientalen nicht lehren können, so wie wir ihm Logarithmen beibringen oder die Flugbahnen von Projektilen. Daß wir uns den Weg zur rechten Lebensführung ertastet und uns den Kopf über die Seele zermartert haben, zeigt unsere spirituelle Begabung an. Obwohl wir oft und weit von der Gerechtigkeit abgeirrt sind, sind die Stimmen der Seher erhoben worden, und wir haben auf die Gebote des Gewissens gehört. Die kolossale Tatsache unserer Geschichte ist, daß wir die Religion von Jesus Christus zu unserer Religion gemacht haben. Egal wie dunkel in Irrtum und Tat, wir haben eine Geschichte des spirituellen Ringens und Bestrebens gehabt. Wir sind in überragender Weise eine religiöse Rasse, was eine andere Art ist zu sagen, daß wir eine nach dem Rechten strebende Rasse sind.

„Was denken Sie über die Japaner?“ wurde eine Amerikanerin gefragt, nachdem sie eine Zeitlang in Japan gelebt hatte. „Es scheint mir, als hätten sie keine Seele,“ war die Antwort.

Dies darf nicht so aufgefaßt werden, daß der Japaner ohne Seele ist. Aber es dient dazu, den enormen Unterschied zwischen ihren Seelen und der Seele dieser Frau zu veranschaulichen. Es gab kein Gefühl, keine Ansprache, kein Erkennen. Dieser westlichen Seele träumte es nicht, daß die östliche Seele existierte, sie war so anders, so völlig anders.

Religion als ein Kampf um das Richtige in unserem Sinne von richtig, als eine Sehnsucht nach und ein Streit um das spirituelle Gute und Reinheit, ist dem Japaner unbekannt. Gemessen an dem, was Religion für uns bedeutet, sind die Japaner eine Rasse ohne Religion. Und doch hat sie eine Religion, und wer sollte sagen, daß sie nicht eine genauso großartige Religion ist wie unsere, oder genauso wirksam? Wie ein Japaner geschrieben hat:

„Unsere Reflektion hat nicht so sehr das moralische Bewußtsein des Individuums hervorgehoben als vielmehr das nationale… Für uns ist das Land mehr als Land und Boden, woraus wir Gold schürfen oder von dem wir Korn ernten – es ist der heilige Wohnsitz der Götter, der Geister unserer Vorväter; für uns ist der Kaiser mehr als der Erzwachtmeister eines Rechtsstaates, oder auch der Patron eines Kulturstaates, er ist der leibliche Vertreter des Himmels auf Erden, der in seiner Person dessen Macht und Gnade vereinigt.“

Die Religion Japans ist praktisch eine Anbetung des Staates selbst. Patriotismus ist der Ausdruck dieser Anbetung. Der japanische Geist spaltet keine Haare darüber, ob der Kaiser der verkörperte Himmel oder der verkörperte Staat ist. Soweit es den Japaner betrifft, lebt der Kaiser, ist selbst Gottheit. Der Kaiser ist das Objekt, für das man lebt und für das man stirbt. Der Japaner ist kein Individualist. Er hat ein nationales Bewußtsein entwickelt anstelle eines moralischen Bewußtseins. Er ist nicht an seinem eigenen moralischen Wohlergehen interessiert außer soweit es das Wohlergehen des Staates ist. Die Ehre des Individuums per se existiert nicht. Es existiert nur die Ehre des Staates, welche seine Ehre ist. Er betrachtet sich nicht als freien Akteur, der an seinem eigenen persönlichen Heil arbeitet. Spirituelles Kopfzermartern ist ihm unbekannt. Er hat ein „Gefühl ruhigen Vertrauens ins Schicksal, eine stille Unterwerfung unter das Unvermeidliche, eine stoische Gelassenheit angesichts von Gefahr oder Unheil, eine Verachtung fürs Leben und eine Freundschaftlichkeit mit dem Tod.“ Er identifiziert sich mit dem Staat, wie sich unter Bienen die Arbeiterin mit dem Stock identifiziert: er selbst ist nichts, der Staat ist alles; seine Existenzgründe sind die Erhöhung und Glorifizierung des Staates.

Die am meisten bewunderte Eigenschaft des Japaners ist heute sein Patriotismus. Die westliche Welt schwärmt davon und mißt den japanischen Patriotismus unwissentlich an ihren eigenen Konzepten des Patriotismus. „Für Gott, mein Land und den Zaren!“ schreit der russische Patriot, aber für den japanischen Geist gibt es keinen Unterschied zwischen diesen dreien. Der Kaiser ist der Kaiser und Gott und genauso das Land. Der Patriotismus des Japaners ist blinde und unerschütterliche Loyalität zu dem, was praktisch ein Absolutismus ist. Der Kaiser kann nichts Falsches tun, genauso wenig die fünf ehrgeizigen Männer, die sein Ohr haben und das Schicksal Japans kontrollieren.

Kein großes rassisches Abenteuer kann weit kommen oder lang dauern, das kein tieferes Fundament hat als materiellen Erfolg, keinen höheren Antrieb als Eroberung um der Eroberung willen und bloße Rassenglorifizierung. Um weit zu gehen und auszuharren, muß es einen ethischen Impuls hinter sich haben, eine aufrichtig gehegte Rechtschaffenheit. Aber es muß in Erwägung gezogen werden, daß obiges Postulat selbst ein Produkt des westlichen rassischen Geltungsbedürfnisses ist, gedrängt von unserem Glauben an unsere eigene Rechtschaffenheit und begünstigt durch einen Glauben an uns, der genauso irrig sein mag, wie es die meisten liebevollen Rassenfantasien sind. So sei es. Die Welt wirbelt heute schneller als je zuvor. Sie hat Schwung gewonnen. Die Affären eilen ihrem Abschluß zu. Der Ferne Osten ist der Kontaktpunkt des abenteuernden westlichen Volkes wie auch des asiatischen. Wir werden nicht auf die Zeit unserer Kinder warten müssen oder auf die unserer Kindeskinder. Wir werden selbst das Abenteuer der Gelben und der Braunen sehen und weitgehend bestimmen.

Feng-Wang-Cheng, Mandschurei, Juni 1904.

Quelle: Revolution and Other Essays (New York: Macmillan, 1910), online: http://www.jacklondons.net/writings/Revolution/yellow.html

Translation source: http://fjordman.wordpress.com/2011/04/20/die-gelbe-gefahr/

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