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Feind und Vorbild:
Savitri Devi über Paulus von Tarsos

1,649 words

Übersetzt von Bastian Thoemmes

English original here

In ihrem Heftchen Paul de Tarse, ou Christianisme et Juiverie vertritt Savitri Devi die Auffassung, daß das Christentum keine Schöpfung Jesu sei, sondern des Paulus. Savitri erwägt sogar die Möglichkeit, Jesus habe nie existiert. Und selbst wenn er gelebt hätte, argumentiert sie weiter, sind jene Lehren, die ihm in den Evangelien zugeschrieben werden, die eines lebensfremden Visionärs, und nicht die des Gründers einer organisierten Religion. Statt dessen sei der wahre Gründer des Christentums Paulus, der eigentlich Saulus von Tarsos hieß.

Paulus war sowohl ein tief orthodoxer Jude wie ein Mann von kosmopolitischer Erziehung und Erfahrung. Gemäß seiner Orthodoxie verfolgte Paulus anfänglich die Anhänger Jesu. Dann folgte seine Bekehrung auf der Straße nach Damaskus. Savitri bestreitet, daß diese Bekehrung ein Blitz mystischer Einsicht gewesen sei, vielmehr habe es sich um einen Anfall politischen Genies gehandelt. Paulus’ Verständnis für die Welt der Nichtjuden war weit größer als jenes seiner Oberen in Jerusalem. Im Lichte dieses Verständnisses erkannte er, daß das Christentum ein ideales Werkzeug sei, um die spirituelle und wirtschaftliche Vorherrschaft des Judentums über den Rest der Welt zu etablieren.

Das Christentum sichert die jüdische Vorherrschaft in mindestens zwiefacher Weise: Erstens schreibt es den Juden eine besondere Vorsehungsrolle in der Religion der Nichtjuden zu. Zweitens predigt das Christentum die Gleichheit aller Rassen, Völker und Menschen; dies führt zur Rassenmischung und zum Verfall des nationalen Bewußtseins unter Nichtjuden. Doch solange das jüdische Volk sein Rassebewußtsein und seine -soldarität wahrt, wird es in dem Maße, in dem diese beiden Aspekte bei anderen Völkern abnehmen, selber desto stärker profitieren.

Savitris Zeichnung des Paulus ist stark von jener Nietzsches in Der Antichrist beeinflußt.2 Wie Savitri beschreibt Nietzsche Jesus als lebensfremden Idealisten, nicht als Religionsgründer. Jesus war ein „freier Geist“, der sich, ganz der materiellen Welt enthoben, mit intellektuellen Problemen auseinandersetzte. Seine Lehre war vielmehr sein Lebenswandel. Was er bot, war: „Ein neuer Wandel, nicht ein neuer Glaube…“3 Die Erlösung ist eine Art zu leben, durch die man empfindet, man sei im Himmel, während man mitten in der Hölle steht: „Das „Himmelsreich“ ist ein Zustand des Herzens – nicht Etwas, das „über der Erde“ oder „nach dem Tode“ kommt.“4

Wie Savitri betrachtete Nietzsche Paulus als den wahren Begründer des Christentums. Nietzsche beschreibt das jüdische Volk als „ein Volk der zähesten Lebenskraft, welches, unter unmögliche Bedingungen versetzt, freiwillig, aus der tiefsten Klugheit der Selbst-Erhaltung, die Partei aller décadence-Instinkte nimmt, – nicht als von ihnen beherrscht, sondern weil es in ihnen eine Macht errieth, mit der man sich gegen „die Welt“ durchsetzen kann“5. Nietzsche zählt das „Christenthum des Paulus6 zu diesen Dekadenzbewegungen.

Doch anders als Savitri glaubt Nietzsche nicht, das einzige oder erste Motiv des Paulus sei die Liebe zum Judentum, sondern vielmehr der morbide Haß gegen die körperliche und spirituelle Gesundheit, deren Inbegriff die Kultur Griechenlands und das römische Reich sind: „Paulus war der grösste aller Apostel der Rache“7, der Rache der Schlechtweggekommenen und Niederen wider den höheren Typus der Menschheit, wider die natürliche Aristokratie. Paulus war der „Tschandala-Hass gegen Rom, gegen „die Welt“, der Jude, der ewige Jude par excellence… Was er errieth, das war, wie man mit Hülfe der kleinen sektirerischen Christen-Bewegung abseits des Judenthums einen „Weltbrand“ entzünden könne, wie man mit dem Symbol „Gott am Kreuze“ alles Unten-Liegende, alles Heimlich-Aufrührerische, die ganze Erbschaft anarchistischer Umtriebe im Reich, zu einer ungeheuren Macht aufsummiren könne“8.

Die Hauptwaffen des Paulus sind die Konzepte der Gleichheit und der Unsterblichkeit der Seele: „Der Aristokratismus der Gesinnung wurde durch die Seelen-Gleichheits-Lüge am unterirdischsten untergraben.“9 Und: „Um Nein sagen zu können zu Allem, was die aufsteigende Bewegung des Lebens, die Wohlgerathenheit, die Macht, die Schönheit, die Selbstbejahung auf Erden darstellt, musste hier sich der Genie gewordne Instinkt des ressentiment eine andre Welt erfinden, von wo aus jene Lebens-Bejahung als das Böse, als das Verwerfliche an sich erschien.“10 Und: „Dies war sein Augenblick von Damaskus: er begriff, dass er den Unsterblichkeits-Glauben nöthig hatte, um „die Welt“ zu entwerthen, dass der Begriff „Hölle“ über Rom noch Herr wird, – dass man mit dem „Jenseits“ das Leben tödtet…“11

Savitris Motivation, warum sie Paul de Tarse geschrieben und veröffentlicht hat, erscheint einigermaßen rätselhaft. Sie publizierte das an einem einzigen Tag niedergelegte und nur knapp über 3.000 Wörter umfassende Heftchen als eine achtseitige Schrift im Jahre 1958, und zwar zusammen mit ihrem opus magnum, dem 432seitigen The Lightning and the Sun (engl. „Der Blitz und die Sonne“) und ihrer 354seitigen devotionalen Reiseerinnerung Pilgrimage (engl. „Pilgerfahrt“). Auch ist beachtenswert, daß Paul de Tarse auf Französisch verfaßt wurde. Wenngleich Savitris Mutter Engländerin war und Savitri bereits im Kinderwagen Englisch lernte und später die meisten ihrer Bücher auf Englisch niederschrieb, so war Französisch doch die Sprache ihrer Bildung. Savitris erste drei Bücher wurden auf Französisch verfaßt, und im hohen Alter kehrte sie für drei Bücher zum Französischen zurück.12 All die anderen Bücher und Aufsätze, die sie zwischenzeitlich verfaßte, waren in englischer Sprache geschrieben. Außer Paul de Tarse.

Überdies hielt Savitris Interesse an Paulus jahrelang an. In einem Interview, das im November 1978 aufgezeichnet wurde, und noch einmal in einem Brief vom 7. Juni 1979 empfahl sie mit Nachdruck drei Bücher des französischen Historikers Robert Ambelain: Jésus, ou le mortal secret des Templiers, La vie secrete de Saint Paul und Les Lourds secrets du Golgotha.13 Laut Savitri wird in diesen Büchern „die ganze christliche Legende gezeigt […] als ein schamloser Betrug. (Der Betrug des ersten Jahrhunderts – ebenso ungeheuerlich wie jener des 20. von Arthur Butz.14)“15.

Savitri berichtet, daß Jesus – laut Ambelain – „ein antirömischer Agitator war, und nichts anderes. Keineswegs ein Lehrer irgendeiner Art von Religion“16. Dies ist natürlich eine Betrachtungsweise, die ihrer eigenen, in Paul de Tarse vertretenen diametral entgegensteht, wo sie noch meinte, daß Jesus ein rein apolitischer religiöser Lehrer gewesen sei. Doch beide Standpunkte vereint die Zurückweisung der Idee, Jesus sei Gründer einer organisierten Religion gewesen.

Savitri zeigte sich durch Ambelains Anspruch beeindruckt, daß das Christentum die Schöpfung des Paulus sei: „Nach Ambelain nahm er [Paulus] die Person jenes jüdischen Agitators und schuf aus ihr eine mystische Gestalt, fügte ihr die ganzen Charakteristiken dieser uralten Vegetationsgottheiten, Mithras, Osiris’, Adonis’ und anderer hinzu. […] Er schuf aus ihm [Jesus] eine Weltgestalt […]. Und indem er das tat, weitete er den Einfluß des Judentums über die ganze Welt aus.“17

Warum war Savitri Devi so offensichtlich fasziniert von Paulus von Tarsos? Ich würde sagen, daß sie ihn bewußt oder unbewußt als Vorbild betrachtete. Nach dem Zweiten Weltkrieg tröstete Savitri sich und ihre Kameraden, indem sie ihre Situation mit jener der Anhänger Jesu nach dessen Kreuzigung verglich:18 Die Situation schien hoffnungslos, dann jedoch schuf Paulus das Christentum, und binnen dreier Jahrhunderte war es stark genug geworden, um Rom zu erobern. In Wirklichkeit war Jesus entweder ein lebensfremder Visionär oder ein besiegter politischer Führer, nicht aber der Gründer einer organisierten Religion. Paulus rief das Christentum ins Leben, indem er Jesus mit einem mystischen Charakter ausstaffierte und ihn als Held in dem kosmischen Drama von Sündenfall, Erlösung und Jüngstem Gericht auftreten ließ.

Dies ist genau das, was Savitri Devi mit einem anderen besiegten politischen Führer tat: Adolf Hitler. In The Lightning and the Sun stattet Savitri Hitler mit einem mystischen Charakter und einer kosmischen Bedeutung aus, indem sie ihn ins zyklische Drama der Hindukosmologie versetzt. Hitler war ein Mensch-gegen-die-Zeit, ein Mann, der danach strebte, das Dunkle Zeitalter, das Kali-yuga, zu seinem Ende zu bringen und ein neues Goldenes Zeitalter, ein Satya-yuga, einzuläuten. Für Savitri ist Hitler der vorletzte Avatar des Gottes Wischnu, desjenigen, der den Weg dem letzten Avatar – Kalki – ebnet, der das Kali-yuga zum Abschluß bringen wird.19 Meine Hypothese lautet in summa, daß Savitris Ziel – ebenso wie das des Paulus – die Schaffung einer neuen Religion ist, die ihren Idealen zum Triumph verhelfen soll; eine Religion, in der Hitler Christus ist und Savitri Devi sein Paulus.

Notes

1. Savitri Devi, Paul de Tarse, ou Christianisme et Juiverie [frz. „Paulus von Tarsos, oder Christentum und Judentum“] (Kalkutta: Savitri Devi Mukherji, 1958).

2. Friedrich Nietzsche, Der Antichrist (zit. nach der Kritischen Studienausgabe: Friedrich Nietzsche. Der Fall Wagner. Götzen-Dämmerung. Der Antichrist. Ecce homo. Dionysos-Dithyramben. Nietzsche contra Wagner. In ders. Sämtliche Werke, Bd. 6. hg. v. Giorgio Colli u. Mazzino Montinari. München/Berlin: Deutscher Taschenbuch-Verlag/de Gruyter, 1999. S. 165–254). Der Antichrist wurde im September 1888 geschrieben und erschien 1895 erstmals im Druck.

3. Ebd., S. 206 (§ 33), Hervorhebung im Original in Sperrdruck, dieser wird von mir grundsätzlich als Kursivdruck wiedergegeben. Zu Jesus als „freiem Geist“ siehe ebd. §§ 32–36.

4. Ebd., S. 207 (§ 34).

5. Ebd., S. 192 (§ 24), Hervorhebung im Original.

6. Ebd., S. 192 f. (§ 24), Hervorhebung im Original.

7 Ebd., S. 223 (§ 45).

8. Ebd., S. 246 f. (§ 58), Hervorhebung im Original.

9. Ebd., S. 218 (§ 43).

10. Ebd., S. 192 (§ 24), Hervorhebung im Original.

11. Ebd., S. 247 (§ 58), Hervorhebung im Original.

12. Savitris erste drei Bücher sind: La simplicité mathématique (Lyons: Maximine Portaz, 1935), Essai critique sur Théophile Kaïris (Lyons: Maximine Portaz, 1935) und L’Etang aux lotus (Kalkutta: Savitri Devi Mukherji, 1940). Ihre letzten drei sind: Tyrteé l’Athenian (ein Fragment gebliebener Roman, geschrieben etwa zwischen 1963 und 1968), Souvenirs et réflexions d’une Aryenne (Kalkutta: Savitri Devi Mukherji, 1976, niedergeschrieben 1968–1971) und Ironies et Paradoxes dans l’historie et la légende (begonnen 1979 und nie vollendet).

13 Robert Ambelain, Jésus, ou le mortal secret des Templiers (Paris: R. Laffont, 1970), La vie secrete de Saint Paul (Paris: R. Laffont, 1971) und Les Lourds secrets du Golgotha (Paris: R. Laffont, 1974).

14. Savitri spielt auf das Buch an: Arthur R. Butz, The Hoax of the Twentieth Century (Richmond, Surrey: Historical Review Press, [1976]). Die deutsche Übersetzung von Elsbeth Schade und Udo Walendy ist unter dem Titel erschienen: Der Jahrhundertbetrug (Richmond, Surrey: Historical Review Press, 1977). – A. d. Ü.

15 Brief Savitri Devis an O. L. vom 7. Juni 1979 (Archiv des Verfassers).

16. Savitri Devi, And Time Rolls on: The Savitri Devi Interviews, hg. u. komm. v. R. G. Fowler (Atlanta: Black Sun Publications, 2005), S. 108.

17. Savitri Devi, And Time Rolls On, a. a. O., S. 109.

18. Savitri Devi, Pilgrimage (Kalkutta: Savitri Devi Mukherji, 1958), S. 76 u. 123.

19. Balarama wird gewöhnlich als der vorletzte Avatar Wischnus genannt. Allerdings weisen einige Strömungen der Hinduüberlieferung diesen Platz auch dem Buddha zu.

Source: http://savitridevi.org/article-fowler-paul-german.html

 

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