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Gustave Le Bon

Gustave Le Bon, 1841–1931

1,713 words

Die englische Übersetzung von Matthew Peters erschien zum Gedenken an Gustave le Bons Geburtstag (7.5.1841) am 7. Mai 2012 auf Counter-Currents. Das französische Original stammt von Alain de Benoist und erschien  in Vu de droite: anthologie critique des idées contemporaines (Paris: Le Labyrinthe, 2001 [1977]), pp. 282–284. Ins Deutsche übersetzt von Osimandia.

Aus Die Psychologie der Massen (Psychologie des foules) von Gustave Le Bon:

“Die Masse ist dem isolierten Einzelmenschen gegenüber immer intellektuell unterlegen, aber was Gefühle und die Aktionen angeht, die von diesen Gefühlen hervorgerufen werden, kann die Masse den Umständen entsprechend besser oder schlechter als der Einzelmensch sein. Alles hängt von der Natur der Beeinflussung ab, der die Masse ausgesetzt ist.”

Diese Diagnose stammt von einem Mann von imposanter Statur, einer gleichermaßen ironischen und ernsthaften Erscheinung mit leicht hochmütigem Gesicht, enormer Stirn, stechenden Augen und einem altmodischen Bart, der in der Vorstellung die Götter der Renaissance hervorruft. Sein Name war Gustave le Bon und er wurde 1841 in Nogent-le-Rotrou geboren.

Als Abkömmling einer Soldaten- und Beamtenfamilie von burgundischer und bretonischer Herkunft war Gustave le Bon mit Théodule Ribot (Les maladies de la personnalité [Erkrankungen der Persönlichkeit]) und Henri Poincaré (La science et l’hypothèse [Wissenschaft und Hypothese]) befreundet. Sein Werk, das eines der bedeutsamsten der vergangenen zwei Jahrhunderte ist, wird von zwei Titeln dominiert: Psychologie des foules (Die Psychologie der Massen) and L’évolution de la matière (Die Entwicklung der Materie).

Als unermüdlicher Reisender waren es die Berichte über seine ersten Expeditionen (nach Nordafrika, Indien und Nepal), mit denen er zunächst die Aufmerksamkeit auf sich zog. “Der Punkt, der sich  am klarsten in meinem Verstand festgesetzt hat” schrieb er in  Les lois psychologiques de l’évolution des peuples (Félix Alcan, 1894) “ist der, dass jedes Volk eine Geistesverfassung hat, die genauso festgelegt ist wie körperliche Charakteristika, eine Verfassung, die Quelle seiner Gefühle, Gedanken, Institutionen, Glaubensüberzeugungen und Künste ist.”

Als Pionier der Sozialpsychologie interessierte er sich genauso sehr für Völkerkunde wie für Anthropologie, Soziologie, geschichtliche Philosophie, Physik, Biologie, die Geschichte von Zivilisationen und politischen Lehrmeinungen, Kartographie und sogar für die Psychologie von Pferden und der Reiterei!

Als Mann der Wissenschaft, der alleine in seinem Labor lebte, erfand er 1878 die erste Uhr, die sich selbsttätig durch die täglichen Temperaturschwankungen aufziehen konnte. Kurz danach bewies er die Existenz von Radioaktivität. Lange vor Einstein widerlegte er das Dogma der Unzerstörbarkeit von Materie, indem er konstatierte, dass Materie und Energie ein und dasselbe unter verschiedenen Aspekten sind (Mémoires de physique, L’évolution de la matière, La naissance et l’évanouissement de la matière). 1902 gründete er die berühmte Bibliothèque de philosophe scientifique (Bibliothek der Wissenschaftsphilosophie), eine Reihe, die heute noch von Flammarion publiziert wird.

Théodule Ribot gewidmet machte Die Psychologie der Massen sowohl seinem Autor einen Namen als auch den Weg für den Aufstieg eines neuen Forschungsfeldes frei. 1929 erschien das Buch in seiner 37. Auflage. Die Kernvorstellung von Die Psychologie der Massen ist, dass das Individuum zu einer anderen Person wird, wenn es sich einer Masse anschließt, eine “Zelle”, deren Verhalten aufhört, autonom zu sein und die sich mehr oder weniger vollständig der Gruppe unterordnet, von der sie ein Teil ist – sei es dauerhaft oder vorübergehend.

Die mentale Einheit von Massen

In einem weitgehend uninteressanten Vorwort erinnert Otto Klineberg, ein Professor an der Sorbonne, an eines der grundlegendsten Prinzipien der Gestalttheorie: Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile.

Nach dieser Theorie von Ganzheiten ist die Masse also mehr als die bloße Aufsummierung der Individuen, aus denen sie besteht. “Aus diesen Gründen” so schreibt Le Bon “kann man erleben, dass eine Jury Urteile fällt, die jeder einzelne Geschworene missbilligen würde, dass Parlamente Gesetze und Maßnahmen absegnen, die jedes einzelne Parlamentsmitglied persönlich missbilligen würde. Einzeln gesehen waren die Männer des Nationalkonvents Bürger mit einer friedfertiger Lebensweise. Zu einer Masse zusammengefasst zögerten sie nicht, unter dem Einfluss einiger Anführer die unschuldigsten Menschen unter die Guillotine zu schicken.”

Suggestion übersteigert sich, wenn sie erwidert wird. Die kriminelle Masse, die Launay, den Direkter der Bastille am 14. Juli 1789 ermordete, bestand weitgehend aus untätigen Schaulustigen, Ladenbesitzern und Handwerkern. Genauso verhielt es sich mit den Schlächtern der Bartholomäusnacht, den Tricoteuses von 1793, den Kommunarden, usw.

Dieselben Exzesse konnten auch auf der anderen Seite beobachtet werden: “Der Verzicht auf all seine Privilegien, für den der Adelsstand in der berühmten Nacht des 4. August 1789 stimmte, wäre von keinem einzigen seiner Mitglieder in Isolation befürwortet worden.”

Man kann daher ein “Gesetz der mentalen Einheit von Massen” feststellen, das durch “das Verschwinden der bewussten Persönlichkeit und der Orientierung von Gefühlen und Gedanken in dieselbe Richtung” charakterisiert ist. “Wir sind in das Zeitalter der Massen eingetreten” schreibt Le Bon, und hebt dabei das (legale) Einbrechen der Massen in das politische Leben hervor. Mit bestürzenden Folgen – wenn es zutrifft, dass “Massen keine andere Macht als die zur Zerstörung haben und ihre Vorherrschaft immer eine Zeit des Chaos repräsentiert.”

Baron Motono, ein ehemaliger japanischer Außenminister, der Die Psychologie der Massen ins Japanische übersetzt hat, schrieb: “Mit fortschreitender Zivilisation tendieren die Rassen genauso wie die Individuen innerhalb jeder Rasse dazu, zunehmend unterschiedlich zu werden. Die Menschheit schreitet daher nicht in Richtung zunehmender Gleichheit fort, sondern vielmehr in Richtung zunehmender Verschiedenheit. (L’œuvre de Gustave Le Bon, Flammarion, 1914).

Auch Le Bon selbst glaubte, dass “der rassische Faktor über alle anderen gestellt werden muss, denn schon er alleine genommen ist sehr viel bedeutsamer dabei, die Vorstellung und Glaubensinhalte einer Masse festzulegen als alle anderen.”

Das erklärt, warum die Charakterzüge, die sich in Massen manifestieren und vom Unbewussten kontrolliert werden “in der Mehrheit der normalen Individuen einer Rasse weitgehend zum gleichen Grad vorhanden sind”. Die “psychologische Masse” agiert sozusagen dahingehend, die kollektive Seele zu offenbaren, und zwar im Sinne Jungs: “Das Heterogene wird vom Homogenen überflutet und die unbewussten Eigenschaften herrschen vor.”

Das erklärt auch die kurzfristige Beschaffenheit von Massenaktionen: “Die Entscheidungen allgemeiner Natur, die von einer Versammlung herausragender Männer, die allerdings aus verschiedenen Spezialrichtungen kommen, getroffen werden, sind nicht vernünftiger als die, die von einer Ansammlung von Schwachsinnigen getroffen werden würden. Sie können in der Tat nur die mittelmäßigen Eigenschaften vereinigen, die jedermann besitzt. Massen häufen nicht Intelligenz an sondern Mittelmäßigkeit.“

Traditionen führen das Volk. Nur die äußerlichen Formen der Traditionen werden modifiziert, was die Illusion hervorruft, Gesellschaften würden mit ihrer Vergangenheit brechen. “Eine romanische Masse” notiert Le Bon “wird, gleichgültig wie revolutionär oder konservativ sie betrachtet werden mag, unbeirrt an den Staat appellieren, um ihre Forderungen erfüllt zu bekommen. Sie zeichnet sich stets durch eine markante Tendenz in Richtung Zentralisierung und durch eine mehr oder weniger ausgeprägte Neigung in Richtung Diktatur aus. Eine englische oder amerikanische Masse hingegen legt keinen großen Wert auf den Staat und appelliert nur an private Initiative. Eine französische Masse legt besonderes Gewicht auf Gleichheit, eine englische Masse auf Freiheit. Diese Rassenunterschiede erklären, dass es fast genauso viele verschiedene Arten von Massen gibt, wie es Nationen gibt.”

Le Bon fügt hinzu: “Die Gesamtheit gemeinsamer Charakteristika, die allen Individuen eines Volkes durch äußere Einflüsse und Vererbung auferlegt sind, stellen die Seele dieses Volkes dar.”

Masssen sind außerdem intolerant und “weiblich” (“aber die weiblichsten von allen” so Le Bon “sind romanische Massen”). Instinkt obsiegt in ihnen fast immer über Vernunft. In Richtung Einfältigkeit und zu exzessiven Beurteilungen tendierend dulden sie keinen Widerspruch. “Jederzeit bereit, sich gegen eine schwache Autorität zu erheben, unterwerfen sie sich einer starken Autorität kriecherisch.”

Männer der Tat

Die Kunst, das Vorstellungsvermögen der Massen zu beeindrucken, ist die Kunst, sie zu beherrschen. “Es ist immer die wundersame und märchenhafte Seite von Ereignissen, die Massen besonders beeindruckt. Darüberhinaus haben alle großen Staatsmänner aller Zeitalter und Länder, einschließlich der absolutesten Despoten, das Vorstellungsvermögen des Volkes als Grundlage ihrer Macht betrachtet.”

Napoleon äußerte gegenüber dem Staatsrat: “Indem ich Katholik wurde, beendete ich den Aufstand in der Vendée; indem ich Moslem wurde, etablierte ich mich in Ägypten; indem ich Ultranmontanist wurde, gewann ich die Priester in Italien für meine Seite.”

“Der Mensch kann im allgemeinen mehr, als er glaubt, aber er weiß nicht immer, was er kann (Hier et demain – Gestern und morgen). Der Führer einer Masse offenbart es ihr. Die Führer einer Masse sind keine Männer des Denkens sondern Männer der Tat. Sie haben mehr Energie als reine Intelligenz. Ihr Aufstieg nimmt die Form eines großen Entwurfs an, der katalytisch auf das Wollen wirkt und Instinkten eine Richtung gibt. Einfache Ideen erleichtern das Erobern von Massen, vor allem Ideen, die reich an Versprechungen sind, wofür Le Bon “die christlichen Ideen des Mittelalters, die demokratischen Ideen des vergangenen [19.] Jahrhunderts und die sozialistischen Ideen von heute” als Beispiel anführt.

Georges Sorel, der Autor von Réflexions sur la violence [Gedanken über Gewalt], schrieb: “Wenn die Psychologie es eines Tages schafft, bei uns zu dem Bereich des Wissens zu zählen, den ein Mensch besitzen muss, um sich wahrlich kultiviert nennen zu dürfen, werden wir dieses Ergebnis den beharrlichen Anstrengungen von Gustave Le Bon verdanken.”

Die Psychologie der Massen ist in ein Dutzend Sprachen übersetzt worden, einschließlich russisch, türkisch, japanisch und arabisch. Als Vorbote der großen revolutionären Umwälzungen des jetzigen [20.] Jahrhunderts und tatsächlich auch der jüngsten Entwicklungen in psychologischer Kriegsführung, war dieses Buch in den 1920er Jahren die Bettlektüre der Offiziere der École supérieur de guerre, zu denen 1922 der junge Hauptmann de Gaulle zählte. Durkheimischer Obskurantismus, der seither die französische Soziologie geprägt hat, ist nicht in der Lage gewesen, seine Bedeutsamkeit zu verbergen. Das Buch ist 82 Jahre alt. Es ist nicht um einen Tag gealtert.

Anmerkung

Das einzige Buch über Gustave Le Bon, das nach dem Zweiten Weltkrieg veröffentlicht wurde, ist  The Origins of Crowd Psychology: Gustave Le Bon and the Crisis of Mass Democracy in the Third Republic (London: Sage Publications, 1975) von Robert Nye. Obwohl es sich fast ausschließlich auf den politischen Aspket von Le Bons Werk konzentriert, enthält es eine beträchtliche Anzahl von bisher unbekannten Details. Sein Autor, ein Professor für Geschichte an der Universität von Oklahoma, liefert uns mehr als nur eine Studie über Le Bon, denn er hat auch Personen befragt, die Le Bon [verstorben 1931] während seiner Lebenszeit kannten.

1976 wurde eine Gesellschaft der Freunde von Gustave Le Bon (Société des amis de Gustave Le Bon) initiiert von Pierre Duverger (34 rue Gabrielle, 75018 Paris) gegründet. Unter dem Vorsitz von Jacques Benoist-Méchin plant sie, vier Bücher von Le Bon neu zu drucken: Psychologie de socialisme, Les lois psychologiques de l’évolution des peoples, Les opinions et les croyances und Psychologie de l’éducation.

Source: http://schwertasblog.wordpress.com/2012/05/09/gustave-le-bon/

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