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Die griechische Krise verstehen, Teil 1

parthenon6,091 words

Übersetzt von Deep Roots

English original here

Dieser Artikel wird versuchen, denjenigen, die mit der gegenwärtigen Situation in Griechenland nicht vertraut sind, die Grundursachen des gegenwärtigen griechischen Dramas zu erläutern.

Trotz der weithin geförderten Vorstellung, daß Griechenlands Problem hauptsächlich finanzieller Art ist, könnte dies nicht weiter von der Wahrheit entfernt sein. Was diesem uralten Land heutzutage bevorsteht, ist sein totaler Zusammenbruch als Nationalstaat. Die angebliche Wirtschaftskrise ist in Wirklichkeit weitgehend fiktiv, und sie wird von der gegenwärtigen Regierung und von äußeren Kräften als Vorwand und als Mittel benutzt, um die wirtschaftliche Erschöpfung der griechischen Mittelschicht und die schließliche Auflösung des Staates zu fördern.

Meine Hauptthese lautet, daß kurz nach dem Ende des Kalten Krieges ein Plan zur effektiven Demontage Griechenlands und zur Auslöschung der nationalen Identität der Griechen entworfen und umgesetzt wurde, der mathematisch zu ihrem Verschwinden als homogene Menschengruppe führen würde. Der Leser sollte ob solcher Behauptungen nicht verblüfft sein; der Artikel wird ihm all die notwendigen Beweise zur Stützung dieser These präsentieren. Der erste Teil des Artikels wird sich auf einen notwendigen Crashkurs über die politische Geschichte Griechenlands konzentrieren, vom Ende des Zweiten Weltkriegs bis zur Wahl der gegenwärtigen griechischen Regierung.

I.

1944 zog sich die deutsche Armee aus Griechenland zurück, um ihr Heimatland gegen die vorrückende Rote Armee zu verteidigen. In einem Wirbelwind von Ereignissen zwang die Griechische Kommunistische Partei (KKE) das Land in einen blutigen und katastrophalen innerstaatlichen Krieg, in dem ihre bewaffneten Guerillas gegen die Nationalarmee Griechenlands kämpften. Der kommunistische Kampf um die Macht war natürlich von Anfang an zum Scheitern verurteilt, nachdem Stalin sich bereits im Moskauer Abkommen von 1944 mit Churchill darauf geeinigt hatte, daß Griechenland unzweifelhaft im westlichen Lager bleiben würde. Trotzdem strebten die Kommunisten Griechenlands die Allianz mit anderen kommunistischen Ländern wie Bulgarien, Albanien und Jugoslawien an, die alle bereit waren, sie unter bestimmten Bedingungen zu unterstützen, d. h. territoriale Gewinne von Griechenland, falls die Kommunisten sich schließlich durchsetzen würden. Die KKE, die dringend Hilfe brauchte, stimmte zu, und ihre selbsternannte provisorische Guerillaregierung unterzeichnete die Preisgabe riesiger Teile Griechenlands, die nach dem Sieg der kommunistischen Guerillas an Jugoslawien übergeben werden sollten. Um eine lange und schmerzliche Geschichte kurz zu machen, die kommunistischen Aufständischen wurden zerschlagen, und Griechenland ging zerstört, aber frei vom Joch des Sowjetismus daraus hervor.

Die Niederlage der Kommunisten war ein schwerer Schlag für die griechische Linke. Ihre schrecklichen Verbrechen, die von Massenhinrichtungen nichtkommunistischer Zivilisten bis zur Entführung tausender Kinder reichten, die zur Gehirnwäsche in den Sowjetblock geschickt wurden, führten das Land zu einem seltsamen rechten Regime, bei dem jeder, der sich weigerte, die Königsfamilie zu glorifizieren, verdächtigt wurde, ein kommunistischer Sympathisant zu sein. Die Rechte war dominant, aber es wurde klar, daß solch eine manichäische Sicht auf die Politik die Saat für ihre zukünftige Zerstörung legen würde. Die Massen des Volkes, die der Mitte angehörten und die niemals der illegalen kommunistischen Partei und den anderen Linksgruppen nahestanden, wurden von der Propaganda des Regimes als Linke, Kryptokommunisten oder gefährlich nach links neigend bezeichnet. In einem außergewöhnlichen Prozeß, von dem ich annehme, daß er für den Leser schwer zu verstehen sein wird (wie auch für den Autor), akzeptierten die Zentristen langsam, aber stetig ihre Kategorisierung als Linke, die sie vom Rechtsregime erhielten. Gleichzeitig verbreitete die illegale kommunistische Partei, die von der UdSSR finanziert wurde und ein bedeutendes Untergrundnetzwerk organisiert hatte, ihre Propaganda und trug zur politischen Instabilität des Landes bei, indem sie zu Streiks, Zusammenstößen mit der Polizei und Unruhen aufhetzte. Der zuvor erwähnte grobe Fehler der Rechten, jeden als Linken zu bezeichnen, der nicht rechts genug war, wurde natürlich von den Kommunisten ausgenützt. Kurz, die Rechte und die Linke arbeiteten zugleich daran, die Mitte nach links zu rücken. Daher begannen die patriotischen Zentristen, die ein paar Jahre zuvor gegen die Kommunisten gekämpft hatten, sich mehr und mehr mit der Linken zu identifizieren, und wurden zunehmend empfänglich für linke Propaganda. Gleichzeitig gingen die Zusammenstöße in Griechenland weiter; die gewählte Regierung der populären Zentristenpartei (Enosis Kentrou) wurde gestürzt, als eine Gruppe ihrer Abgeordneten beschlossen, aus der Partei und der Regierung auszutreten. Die Instabilität ging weiter, bis eine Gruppe von Armeeoffizieren am 21. April 1967 beschloß, ein autoritäres Militärregime einzuführen.

 

II.

Das Militärregime bestand 7 Jahre lang und endete abrupt, als die Türkei 1974 in Zypern einmarschierte. Was zu der Tragödie von Zypern führte und warum die zu dieser Zeit überlegen gerüsteten Streitkräfte Griechenlands beschlossen, nicht einzugreifen, ist eine sehr umstrittene Frage. Die Invasion fand nach einer Spaltung innerhalb des Kreises von Armeeoffizieren statt, die das Militärregime eingesetzt hatten. Der unbestreitbare Führer Georgios Papadopoulos wurde entthront, und sein Platz wurde von einer geringeren Gestalt im Regime eingenommen, von Brigadier Dimitrios Ioannidis. Ionannidis war stark nationalistisch, jedoch hatte er nie wirklich eine Ahnung von Politik. Ein weiterer interessanter Punkt bei Ioannidis ist, daß seine Schwester mit einem berühmten griechischen Juden namens Zak (Jacques) Alazrakis verheiratet war, der sehr gute Beziehungen zum damaligen Außenminister der USA, Henry Kissinger, hatte. Demzufolge, was seit Jahren von der Mehrheit der Armeeoffiziere, die das Militärregime eingeführt hatten, behauptet worden ist, versprach Kissinger Ioannidis über Alazrakis, daß er die Unterstützung der USA bezüglich der Zypernfrage haben und jahrzehntelang an der Macht bleiben würde, wenn er Papadopoulos und später Bischof Makarios (den damaligen Präsidenten Zyperns) stürzen könnte. Der leichtgläubige Ioannidis handelte schnell; er entledigte sich Papadopoulos’ und versuchte Makarios aus dem Weg zu schaffen, aber Kissinger hatte bereits der Türkei ein Stück von Zypern versprochen und Ioannidis fallengelassen.

Die Zypern-Invasion hatte kataklysmische Folgen in der griechischen Politik. Das Militärregime fiel, und Demokratie und Parlamentarismus wurden wiederhergestellt. Konstantinos Karamanlis (der Ältere), frisch nach Griechenland zurückgekehrt, ignorierte zynisch das Zypernproblem, und indem er einen Waffenstillstand mit den Türken unterzeichnete, verschaffte er ihnen die entscheidende Zeit, um sich neu zu organisieren und für einen zweiten Angriff auf die Insel vorzubereiten, der schließlich zur türkischen Besetzung von 38 % von Zypern führte. K. Karamanlis (dem Älteren) waren die Griechisch-Zyprioten völlig egal, sein unmittelbares Anliegen waren die inneren Angelegenheiten des griechischen Staates. Er bestrafte die Offiziere, die in den Staatsstreich von 1967 verwickelt waren, wie auch deren Kollaborateure streng. In einem Prozeß ähnlich der Entnazifizierung von 1945 in Deutschland wurden Militär- und Polizeioffiziere, die mit dem Militärregime sympathisierten, langsam durch demokratischere Offiziere ersetzt. Eine große Zahl der letzteren mag unfähig oder unerfahren gewesen sein, aber das zählte nicht für die neue Regierung; es ging um die totale Beseitigung von jedem, der zur Einführung einer neuen Junta fähig war.

Die bedeutsamste Entscheidung von K. Karamanlis (dem Älteren) war, die ungestörte Verbreitung linker Propaganda still zuzulassen, in deren Rahmen die Rechte (und deren angebliche Schirmherren, nämlich die USA und das Vereinigte Königreich) für die Militärjunta von 1967 – 1974, die Zypern-Tragödie und so ziemlich jeden negativen Aspekt des gesellschaftlichen und politischen Lebens in Griechenland seit der Schaffung des modernen griechischen Staates im Jahr 1829 verantwortlich war. Die Rechte wurde dämonisiert, und diese Dämonisierung existiert in Griechenland immer noch. Außerdem begann die Linke eine gigantische Anstrengung zur Übernahme der Kontrolle über die Universitäten, und darin war sie erfolgreich, nachdem K. Karamanlis (der Ältere), auch wenn er der traditionelle Führer der Rechten war, bewußt keinen Widerstand leistete. Politisch neigte Griechenland sich von Tag zu Tag weiter nach links. Die kommunistische Partei, die nun legalisiert war, war eine etablierte politische Kraft, die in der Lage war, ein viel größeres Publikum als ihre Anhängerschaft zu beeinflussen.

Im selben Zeitraum unternahm eine sehr charismatische Gestalt nach der Rückkehr aus dem „Exil“ in Schweden ihre ersten Schritte zur Kontrolle der geschwächten Mitte. Der Name war Andreas Papandreou, der Nachkomme des vorherigen Führers Griechenlands, Georgios Papandreou, und seiner jüdischen Ehefrau Sofia Minejko. Andreas Papandreou gelang es nicht nur, die Mitte unter seiner Partei, der PASOK (Panellinio Sosialistiko Kinima [Panhellenische Sozialistische Bewegung]) zu vereinen, sondern er begann auch große Unterstützung von Seiten der Linken zu gewinnen. Ohne sein patriotisches Profil aufzugeben, übernahm er alle linken Slogans, selbst die extremsten. Die Kommunisten waren verwirrt; sie wußten nicht, wie sie reagieren sollten. Seit Jahren kämpften sie gegen die Rechte, aber nun hatten sie einen neuen, viel schlimmeren Feind. Einen Feind, der dem griechischen Volk soziale Gerechtigkeit und Wohlstand versprach, aber ohne die Einführung einer kommunistischen Diktatur. Die selbstgeißelnde Rechte war ein leichtes Ziel für die Linke, aber Andreas Papandreou war das nicht. Der strahlend aufsteigende Stern der griechischen Politik war auch schlau genug, die traditionellen zentristischen Politiker nicht zu verprellen. Er bot ihnen keine Positionen in seiner neuen Partei, beruhigte aber ihre Ängste vor seiner starken linken Rhetorik. Er machte ihnen klar, daß die Linke sich früher oder später in Griechenland politisch durchsetzen würde und daß sich für diesen Fall niemand vorstellen könne, was die Ergebnisse sein würden – von einem Bündnis Griechenlands mit dem Sowjetblock bis zu einem blutigen Bürgerkrieg und totalem Chaos. Er sei die einzige glaubwürdige und fähige Kraft in der griechischen Politik, die das verhindern könne, behauptete er selbstsicher. Das griechische Volk verabscheute die Handlungsweise der NATO und der USA hinsichtlich der Invasion in Zypern und war somit ein leichtes Ziel für die Propaganda der Kommunisten. Andreas Papandreou erklärte auch, daß nur durch Übernahme der Rhetorik der Linken Unterstützung von den Massen gewonnen und das Blatt gewendet werden könne. Die alten zentristischen Politiker waren verblüfft von der Scharsinnigkeit und Gerissenheit von Andreas Papandreou, und die meisten von ihnen unterstützten ihn aus vollem Herzen.

An diesem Punkt möchte ich darauf hinweisen, daß Andreas Papandreou trotz seiner antiamerikanischen, NATO-feindlichen und gegen die Europäische Wirtschaftsgemeinschaft (EWG) gerichteten Rhetorik Jahrzehnte in den Vereinigten Staaten verbracht hatte, einen US-Paß besaß und an mehreren amerikanischen Universitäten Ökonomie unterrichtet hatte. Außerdem hatte er im Koreakrieg in der US Navy gedient. Es ist auch sehr interessant, daß die Vereinigten Staaten nie Schritte unternahmen, um Andreas Papandreous Aufstieg zur Macht in Griechenland zu verhindern. Tatsächlich hat einer der heute noch lebenden Führer der Militärjunta (General Stylianos Pattakos) wiederholt ausgesagt, daß amerikanische Diplomaten ein starkes Interesse am Wohlergehen von Andreas Papandreou gezeigt und sich dafür eingesetzt hatten, daß er aus Griechenland hinausgelangen konnte.

Schließlich gewann Andreas Papandreou die Wahl von 1981, bei der er jedem auf seinem Weg niederwalzte, indem er 48 % der Stimmen gewann. Trotz der Hoffnungen seiner linkeren Unterstützer verblieb Griechenland in der NATO, es gab die EWG nicht auf, und natürlich zerriß es nie seine Bande zu den Vereinigten Staaten. Jedoch war Andreas Papandreou ehrlich bei seiner versprochenen gesellschaftlichen Umwandlung. Er organisierte die griechische Gesellschaft und Wirtschaft völlig in eine Form um, die in großem Ausmaß heute noch besteht. Er verstaatlichte Dutzende Schlüsselindustrien und führte ein staatszentrisches Wirtschaftsmodell ein. Seine Unterstützer wurden mit einem guten Gehalt und einer Stelle irgendwo im sich schnell ausweitenden öffentlichen Sektor belohnt. Die meisten davon waren die traditionellen Wähler der Mitte, aber nicht alle. Eine große Zahl davon waren eine Mischung von Menschen, die aus verschiedenen Gründen (politische Ansichten oder einfache Unfähigkeit) nie finanziell abgesichert sein oder einen stabilen Job bekommen konnten. Trotzdem sprangen sie mit der Unterstützung der PASOK mit Leichtigkeit vom Status der Arbeiterklasse in die Mittelschicht. Ihre Anstellung durch den Staat hatte die radikale Veränderung ihrer Leben zur Folge. Sie kauften Autos, bauten Häuser für ihre Familien und konnten sich ausgedehnte Urlaube leisten. Der Sozialismus der PASOK war in Wirklichkeit die Rache des durchschnittlichen unterdrückten Zentristen oder Linken, aber vor allem die Rache der unfähigen Person. Die Meritokratie wurde abgeschafft, denn was unter Andreas Papandreous Regime zählte, war nur, ob jemand Inhaber einer Mitgliedskarte seiner Partei war oder nicht. Jedoch mußte Andreas Papandreou mit einem Schlüsselproblem in der griechischen Gesellschaft fertig werden, das er als entscheidenden Faktor für seine ehrgeizige fortdauernde Herrschaft erkannte. Ein großer Teil der Bourgeoisie unterstützte immer noch die Rechte und verzieh ihm nie seine linke Rhetorik.

In der Mitte der 1970er, nach dem Sturz des Militärregimes, erschien eine Terrororganisation namens „17. November“. Ihre ersten Ziele waren Amtsträger des Militärregimes, die in Verhöre und Verfolgungen von regimefeindlichen Aktivisten verwickelt waren. Bald jedoch steigerte die Gruppe ihre Aktionen, indem sie Industrielle, Geschäftsleute und Zeitungsverleger tötete. Zusammen mit dem „17. November“ entstanden ein paar andere Terrorgruppen, die die eigentümliche Matrix des griechischen Linksterrorismus bildeten. Trotz ihrer wahren oder angeblichen Differenzen trafen jene Gruppen die rechte Bourgeoisie hart. Was Andreas Papandreou mit seinen Verstaatlichungen nicht schaffte, wurde durch die Bomben und Kugeln der Terroristen erreicht. Die alte rechte obere Mittelschicht war keine Kraft im wirtschaftlichen und politischen Leben des Landes mehr. Natürlich wurde niemals ein solider Beweis dafür gefunden, daß die PASOK mit dem Linksterrorismus in Verbindung stand, und vielleicht waren solche Behauptungen, die hauptsächlich von den rechten Zeitungen dieser Zeit vorgebracht wurden, großteils übertrieben. Dennoch hatte die PASOK jetzt die Macht und die Gelegenheit, eine neue obere Mittelschicht zu schaffen, die ihrer Sache und ihren Ideen freundlich gesinnt war, und Andreas Papandreou handelte dementsprechend. Neue Geschäftsleute erschienen, die unterstützt vom Staat ihre Unternehmen vergrößerten und die Überbleibsel der alten Wirtschaftselite schluckten. Neue Medienherren wurden geschaffen und unterstützten fanatisch das Regime von Andreas Papandreou. Dieser in den 1980ern und 1990ern gebildete Machtkomplex existiert in Griechenland heute noch, und er ist weitgehend für die außergewöhnliche Unterstützung verantwortlich, die die PASOK in den Medien und unter den Reichen und Mächtigen genießt. Kurz gesagt, was Andreas Papandreou tat, war das, was die osmanischen Sultane seit Ewigkeiten getan hatten. Sobald sie die Macht ergriffen, eliminierten sie die alte Elite und schufen eine neue, die ihnen freundlich gesinnt war. So würde niemand in der Lage sein, ihre Autorität herauszufordern.

Die absolute Herrschaft von Andreas Papandreou bestand die ganzen 1980er hindurch. Die Menschen (hauptsächlich seine Unterstützer) waren zufrieden, nachdem er all das Geld, das die EWG Griechenland bot, nicht für die wirtschaftliche Entwicklung verwendete, sondern um Gehälter und Pensionen zu zahlen. Um die Orgie der öffentlichen Ausgaben zu verstehen, muß der Leser das Thema der Pensionen für Akte des „nationalen Widerstands“ während der deutschen Besetzung Griechenlands bedenken. Mehr als 200.000 Menschen wurden als Widerstandskämpfer anerkannt und erwarben eine staatliche Pension. Es ist wichtig festzuhalten, daß zur selben Zeit, wo jene 200.000 Widerstandskämpfer angeblich gegen die Deutschen kämpften, die deutsche Armee in Griechenland bloß 30.000 Mann zählte, und die meisten davon waren keine Kampftruppen. Wie genau die Deutschen bei einem Zahlenverhältnis von 1:7 vier Jahre lang in Griechenland blieben, und das bei minimalen Verlusten, übersteigt das Verständnis! Aber in den 1980ern schien sich niemand viel um triviale Dinge wie Mathematik und Geschichte zu kümmern. Zur selben Zeit hatten die hohen Parteimitglieder der PASOK ihre Zeit mit dem öffentlichen Geld. In weniger als 8 Jahren fand man bei Leuten, die zuvor null Bankeinlagen gehabt hatten, riesige Geldsummen auf Schweizer Banken. Dutzende politischer Skandale wurden enthüllt, und die kontrollierten Medien kamen nicht umhin, sie zu erwähnen. Eine große Zahl von Menschen verlor ihre Illusionen über die PASOK, und die Rechte, wenn auch schwer geschwächt, begann als die einzige politische Kraft zu erscheinen, die kompetent war, etwas Ordnung in die chaotische Situation zu bringen, die die Skandale und die außergewöhnlichen öffentlichen Ausgaben verursacht hatten.

Nach einer lächerlichen Periode politischer Instabilität, gefolgt von einer kurzen Periode einer Regierungszusammenarbeit zwischen der Rechten und der Linken kam die Rechtspartei Nea Dimokratia (ND) an die Macht. Die ND war natürlich nicht die Rechte der Vergangenheit. Denn die Parteielite mied den Ausdruck „rechts“ wie die Pest. Ihr Führer zu der Zeit, Konstantinos Mitsotakis, versuchte die ND den Wählern nicht als Rechtspartei zu präsentieren, sondern als eine Partei von Technokraten, die bereit waren, Griechenland von 8 Jahren der unverantwortlichen und katastrophalen Regierungsführung der PASOK zu erretten. Er unternahm auch aktiv Schritte zur Sicherstellung, daß traditionelle rechte Ideen (z. B. Patriotismus, Respekt vor Religion und Familie) den gewöhnlichen Parteimitgliedern und insbesondere ihren jungen Mitgliedern negativ erschienen.

Die Administration von K. Mitsotakis bleibt nicht wegen viel in Erinnerung – abgesehen von seiner formellen Anerkennung des Staates Israel und einiger gescheiterter Versuche, Herrn A. Papandreou und höhere Gestalten der PASOK wegen der Wirtschaftsskandale der vorherigen Regierung ins Gefängnis zu schicken. Seine Wirtschaftspolitik war katastrophal, während die Art, wie er die nationalen Interessen Griechenlands und die vielfachen Krisen auf dem Balkan handhabte, sogar seine treuesten Unterstützer verwirrte. Schließlich verlor er die parlamentarische Mehrheit, als eine Gruppe von Parlamentsabgeordneten seiner Partei beschloß, aus ihr auszutreten. In der nächsten Wahl verlor K. Mitsotakis, und die PASOK kam wieder an die Macht. Aber A. Papandreous dritte Amtszeit war kurz und von seiner sich schnell verschlechternden Gesundheit gekennzeichnet. Ihm folgte schließlich ein unpopuläres Mitglied seiner Partei namens Konstantinos Simitis, der der neue Führer der PASOK und der Premierminister Griechenlands wurde.

Es gibt eine interessante Geschichte über Konstantinos Simitis, die zu kennen den Leser interessieren sollte. Als er in der Zeit des Militärregimes aus dem Land zu fliehen versuchte, verwendete er einen gefälschten Paß mit dem jüdischen Namen Aaron Ventura. Noch verblüffender ist, daß K. Simitis öffentlich zugegeben hat, daß der ursprüngliche Nachname seines Großvaters der sehr jüdisch klingende Name Avouri war, der später auf Simitis geändert wurde (Simitis = griechisch für Semit).

Trotz seiner Verbindung zu den Sozialisten erwiesen sich seine Ansichten zur Wirtschaft als neoliberal; außerdem war er ein offener und fester Unterstützer der Globalisierung und des Niederreißens von Grenzen und Nationalstaaten. Obwohl seine seltsame Erscheinung und sein charakteristisches höhnisches Grinsen ihn unbeliebt machten, war er trotzdem von einer seriösen akademischen Aura umgeben. Er sah aus wie der Typ, den man vielleicht nicht mochte und von dem man nicht wollte, daß die eigene Tochter ihn heiratet, aber man konnte ihm sicher den eigenen Unternehmensplan anvertrauen, und tatsächlich vertrauten die Griechen ihm zweimal.

III.

Das Griechenland, das K. Simitis 1996 erhielt, war ein völlig anderes Land als jenes, das er nach acht Jahren Herrschaft übergab. Aber es war nicht die Art von Griechenland, die er seinen Wählern versprochen hatte. Dem Land fehle Modernisierung, erklärte Simitis. Jahrzehntelang war Griechenland in der Entwicklung hinter den anderen europäischen Ländern zurückgelegen, argumentierte er ständig, und die Griechen seien in einer von sich selbst eingenommenen Mythologie bezüglich ihrer Vergangenheit, ihrer Einzigartigkeit gefangen, während sie ihre Staatskultur auf einer Mischung aus Hellenismus und orthodoxem Christentum begründet hatten, die Simitis und sein Milieu lächerlich fanden. Irgendwie waren laut dieser Theorie Nationalismus und niedriges Bruttoinlandsprodukt miteinander verbunden, und ersterer war für letzteres verantwortlich. In anderen Worten, nicht die Zerstörung des Privatsektors, den die PASOK in den Jahren davor verwirklicht hatte, war dafür verantwortlich, daß Griechenland zurückblieb, sondern der griechische Nationalismus und die Vorstellung, die die Griechen von sich als solide Nation hatten (mit mehr als 4000 Jahren Geschichte). Herr Simitis und seine Kollegen brauchten diese höchst eigenartige Gleichung nicht zu erklären, weil sie sofort von den Medien akzeptiert und verbreitet wurde. Jeder, der diese Theorie anzufechten wagte, wurde als anachronistisch, an der Grenze der geistigen Gesundheit befindlich und als extremer Nationalist charakterisiert. Auf diese Weise wurden Dissidenten allmählich, aber stetig zum Schweigen gebracht; das war überhaupt nicht schwierig, nachdem die Medienbarone, die unter Herrn A. Papandreou die populistische und patriotische Ideologie der PASOK unterstützt hatten, um 1996 eine andere Tonart anschlugen, um sich der neuen Parteilinie anzupassen.

Unter K. Simitis wurde Griechenland zu einem massiven Labor für Gesellschaftsklempnerei. Jeder, der in dieser Zeit lebte, erinnert sich, daß es eine enorme Kluft zwischen dem gab, was die überwiegende Mehrheit der Medien und die Regierung befürwortete, und dem, was das Volk dachte und glaubte. Ansichten über die griechische Identität, die vor 1996 als verräterisch, wissenschaftlich unbegründet und randständig betrachtet wurden, wurden plötzlich im Fernsehen und in den Zeitungen populär. Die Kernüberzeugung zur modernen griechischen Identität, nämlich daß die modernen Griechen die Nachkommen der alten Griechen sind, wurde unerbittlich angegriffen. Opposition wurde natürlich zum Schweigen gebracht. Gleichzeitig wurde die zuvor verehrte Rolle der orthodoxen Kirche in der griechischen Geschichte durch Überzeichnung ihrer negativen Seite und Ignorieren ihrer positiven Beiträge zur griechischen Staatlichkeit verzerrt.

In Universitäten wurden Professoren mit traditionellen und patriotischen Ansichten beiseite geschoben, um Platz für jene zu schaffen, die bereit waren, die von der Regierung übernommenen Ideen zu fördern. Schulbücher wurden ebenfalls geändert, um jegliche negativen Ansichten über die traditionellen Feinde der griechischen Nation wie die Türken auszutilgen. Das führte zum Verschwinden der Mehrheit der in der Zeit der osmanischen Herrschaft in Griechenland (1453 – 1821) gegen die Griechen begangenen Verbrechen aus den Schulbüchern. In anderen Worten, die Ansichten eines winzigen Randes der griechischen Gesellschaft wurden zu den vorherrschenden Ansichten in den Medien, den Universitäten und bei der großen Mehrheit der Politiker. Solche Ansichten waren natürlich in der Bevölkerung nicht beliebt; jedoch wirkt Propaganda Wunder, und die fortwährende Bombardierung der Massen mit bestimmten Ideen und Überzeugungen kann leicht ihre Meinungen ändern.

Traditionelle moralische Werte wurden ebenfalls einer genauen Prüfung unterzogen. Mitte und Ende der 1990er erlebte Griechenland den Aufstieg des Trash-TV. Plötzlich wurde das griechische Fernsehen nach Mitternacht von Sendungen übernommen, die für Pansexualität, Fetischismus und Bisexualität warben und eine lockere Einstellung gegenüber Homosexuellen und Homosexualität befürworteten. Journalisten entdeckten die Transvestitengemeinschaft und waren begierig darauf, der Öffentlichkeit deren Ängste und Probleme mitzuteilen. Das Nachmittagsprogramm des Fernsehens, das hauptsächlich an ein weibliches Publikum gerichtet ist, war voll mit Sendungen über das Privatleben berühmter Prominenter, mit einem Schwerpunkt auf deren sexuellem Erfolg und auf ihr schillerndes Leben. Zur selben Zeit begannen mehrere Jugendmagazine zu erscheinen und wurden unter den jungen Griechen sehr populär. Solche Magazine waren die gedruckte Entsprechung zu den Sendungen des griechischen Trash-TV, waren aber bei der Jugend viel einflußreicher, weil sie aktiv eine Anzahl neuer Werte einführten, die sich radikal von jenen unterschieden, die die konservative griechische Gesellschaft hatte. Diesen Magazinen zufolge bedeutete Erfolg im Leben für einen Mann, eine Menge Geld zu haben und mit so vielen Frauen wie möglich gehen und Sex haben zu können. Gleichermaßen bedeutete Erfolg für eine Frau, sexy zu sein und einen reichen Mann an sich zu ziehen und zu heiraten. In der Verfolgung solcher Lebensziele wurde Moral als lächerliches Hindernis bezeichnet, das die „schlauen“ und „fähigen“ Individuen zurückhalten sollte. Es erübrigt sich zu sagen, daß jede Form sexueller Verkommenheit als absolut normal charakterisiert wurde. Experimentieren war das Schlüsselwort für die jungen Leser jener Magazine, und erfolgreiche Männer und Frauen mußten alles ausprobieren, insbesondere jene „verbotenen Früchte“, die die traditionelle Gesellschaft verabscheute.

IV.

Eine Frage, die zu beantworten bleibt, ist, warum es keine ernsthafte Opposition gegen diesen ausgewachsenen Sturmangriff auf die Werte der griechischen Gesellschaft gab. Wenn die Sozialisten solche Ideen unterstützten, dann würde sich doch sicherlich die konservative Rechte stark dagegen wenden, nachdem sie sich gegen alles richteten, wofür die Rechte stand. Wie zuvor erwähnt, hatte die Partei, die die Rechte in Griechenland repräsentierte, die Nea Dimokratia (ND), seit 1974 eine massive ideologische Neuorientierung durchgemacht. Die letzten Überbleibsel wahrlich konservativer und rechter Elemente in der Partei wurden still hinausgeworfen oder zum Gehen gezwungen. Bis zum Beginn des 21. Jahrhunderts war die ND eine neoliberale Partei, die voll die Propaganda der Linken bezüglich Themen wie Nationalstaat, die Rolle der Religion in der Gesellschaft etc. absorbiert hatte. Gleichermaßen blieb die griechische Intelligenzia gleichgültig gegenüber der Verzerrung der Moral und den Angriff auf moralische Werte, so wie sie in den 1980ern still geblieben war, als A. Papandreou die griechische Gesellschaft umgestaltet hatte, um sie den Bedürfnissen seiner Partei anzupassen. Daher war das, was noch übrig war, um die Flutwelle der gesellschaftlichen Liberalisierung aufzuhalten, die unorganisierte Mehrheit, die natürlich keinen Zugang zu den Medien hatte. Wiederum zeigte sich, wie uns die Geschichte lehrt, daß eine kleine Gruppe von Menschen mit einem gemeinsamen Ziel und mit den Mitteln zur Beeinflussung der Massen leicht gegen jede unorganisierte Opposition gewinnen kann, egal wie groß letztere ist.

Gleichzeitig ging die Simitis-Regierung von einem Fiasko ihrer Außenpolitik zum nächsten über und beschädigte somit schwer ihre Integrität und den Nationalstolz der Griechen. Die lang erwarteten Strukturreformen der griechischen Wirtschaft, die von den Medien sehr befürwortet wurden, kamen nie. K. Simitis privatisierte ein paar staatliche Industrien, tat aber praktisch sehr wenig, um den Privatsektor zu fördern. Was aber während seiner Regierungszeit geschah, war die Popularisierung des Aktienkaufs. Die Athener Börse, von der die große Mehrheit der Griechen vor den späten 1990ern nicht einmal wußte, daß sie existiert, wurde zu einem Teil des Lebens des durchschnittlichen Griechen. Die Medien und die Regierung argumentierten für das Aktienkaufen als Mittel für die Durchschnittsfamilie, um ihr Einkommen zu steigern, und sie versprachen, daß die Werte weiter steigen würden. Jene vernünftigen Stimmen, die vom Aktienkauf durch Leute abrieten, die keine Ahnung vom Markt hatten, wurden effektiv an den Rand gedrängt und lächerlich gemacht. Jeder bekam seinen Anteil vom Börsenfieber ab. Menschen verkauften ihren Grundbesitz auf dem Land, um Aktien zu kaufen. Alte Damen nahmen ihre Ersparnisse aus Geldkassetten und eilten zum erstbesten Börsenmakler, in der Hoffnung, ihr Geld in wenigen Monaten zu verdoppeln. In jenen Tagen gab es Dutzende von Zeitungen, Fernseh- und Radiosendungen, die sich dem Aktienmarkt widmeten. Die verbreitete Botschaft war einfach und klar: holt eure Ersparnisse aus den Banken und Geldkassetten, verkauft euer nicht nutzbares Land im ländlichen Raum, und kauft Aktien, es ist leicht verdientes Geld! Das Börsenfieber währte ein paar Jahre lang – und dann kam der Wirtschaftszusammenbruch von 1999. Das Ergebnis war natürlich vorhersehbar: Milliarden wechselten ihren Besitzer; die Reichen wurden immens reicher, und die unteren Schichten verloren all ihre Ersparnisse. Zur selben Zeit stieg die Verschuldung des Landes unaufhaltsam, und illegale Einwanderer überfluteten Griechenland zu Hunderttausenden. Die letzte „Leistung“ von K. Simitis war es, die Statistiken der griechischen Wirtschaft zu manipulieren und der Europäischen Union falsche zu präsentieren, um Griechenland in die Eurozone zu bringen. Genau diese Entscheidung ist von mehreren Analysten als das Waterloo Griechenlands bezeichnet worden, und kürzlich von Angela Merkel und anderen europäischen Staatsmännern als Fehler von gigantischem Ausmaß. K. Simitis schied mit katastrophalen Zustimmungsraten aus dem Amt. Ihm folgte der gegenwärtige Premierminister Griechenlands in der Führung der PASOK. Wahlen folgten, und im März 2004 verlor die PASOK, und die ND kam an die Macht.

V.

Mit einem vielversprechenden Programm tiefer Strukturreformen und einem Versprechen, den Staat wiederherzustellen, erwarb Konstantinos A. Karamanlis, ein Neffe von K. Karamanlis (dem Älteren), mehr als 45 % der Wählerstimmen. Die kataklysmischen Veränderungen, für die K. A. Karamanlis sich einsetzte, hatten eine breitere Unterstützung als seine traditionelle Anhängerschaft. Umfragen, die während der ersten Monate seiner Regierung durchgeführt wurden, zeigten deutlich eine öffentliche Zustimmung und eine starke Unterstützung für harte, aber notwendige Maßnahmen zur Verbesserung der Wirtschaft des Staates. Jedoch kalkulierte K. A. Karamanlis drei große Faktoren nicht in seine Pläne ein: die totale Vorherrschaft der Linken in den Medien, die allmächtigen Gewerkschaften und die allgemeine politische Kultur in Griechenland, die nach mehr als drei Jahrzehnten linker Propaganda schwer vom Marxismus beeinflußt war.

Wie zuvor in diesem Artikel erwähnt, hat die Rechte in Griechenland Selbstkasteiung betrieben, um von den Handlungen des rechten Regimes nach dem Zweiten Weltkrieg und des Militärregimes von 1967 – 1974 gereinigt zu werden. Die ND-Partei paßte ihre Strategie entsprechend der Tatsache an, daß es unter fast allen Griechen eine negative Einstellung zu allem Rechten gab. Statt zu versuchen, diese Einstellung zu ändern, dachte sie, sie könnte die Macht übernehmen, indem sie sich so viel wie möglich ein linkes und liberales Profil gab. Sie nahm nie eine starke Haltung gegen die Gesetzlosigkeit und das unverantwortliche Verhalten der Gewerkschaften ein, noch versuchte sie jemals, alternative Medien zu schaffen, um ihre Botschaft rüberzubringen. Der Vertreibung der konservativen und traditionell gesinnten Individuen aus ihren Reihen folgte der Aufstieg von Ex-Linken, Liberalen und verschiedener anderer in der Partei, die von der konservativen und patriotischen Wählerbasis der Partei verabscheut wurden. Die ND wartete einfach, bis die Wähler die Sozialisten satt hatten. Aber solche Strategien funktionieren auf lange Sicht nie; daher konnte die ND, als sie an die Macht kam, keine ihrer Reformen umsetzen. Denn sie hatte vielleicht die Unterstützung der Mehrheit, aber nicht die Unterstützung der Medien und der professionell organisierten Minderheiten, die die Gewerkschaften kontrollierten. Alle Versuche, den Status quo im öffentlichen Sektor und die höchst ineffektive Struktur des Bildungssystems zu ändern, wurden schließlich stark mit gewalttätigen Protesten und Demonstrationen bekämpft. Natürlich nicht von der Mehrheit, sondern von denselben Berufsdemonstranten der Linken, die sich von den angekündigten Reformen bedroht fühlten. Die Medien nahmen von Anfang an eine sehr kritische Haltung zur Administration von K. A. Karamanlis ein. Bis 2004 waren die meisten traditionell rechten Zeitungen entweder von linken Journalisten gekapert oder in einem anhaltenden Niedergang, mit immer niedrigeren Verkaufszahlen. Im Kampf zwischen der Regierung und den Gewerkschaften zog die Mehrheit der Fernsehnetzwerke es vor, sich mit letzteren zu verbünden. Angesichts der organisierten Gegnerschaft und befürchtend, daß die fortwährenden Zusammenstöße und die von der extremen Linken und den Gewerkschaften angedrohten inneren Unruhen zu seinem Sturz führen würden, gab K. A. Karamanlis nach. Alle Pläne für die Strukturreformen wurden verschrottet und verworfen. Die ND-Partei enttäuschte ihre Wähler und jeden, der auf eine echte Veränderung gehofft hatte. Auf der anderen Seite hatten die Linke und die Gewerkschaften einen leichten Sieg errungen und planten ihren Gegenangriff. Die Streiks und Demonstrationen gingen unvermindert weiter. In K. A. Karamanlis fand die Linke einen Feind, der ihre zersplitterten Teile vereinen konnte: Sozialisten, Gewerkschaftler, Anarchisten und Kommunisten hatten plötzlich eine gemeinsame Sache, den Sturz der Regierung. Gleichzeitig begannen die ersten Skandale wegen wirtschaftlicher Fehlhandlungen von ND-Mitgliedern aufzutauchen, und endlich hatten die Medien echte Munition, um sie auf die ND abzufeuern.

Als die Unterstützung der Öffentlichkeit für die ND schwand, konzentrierte K. A. Karamanlis seine Anstrengungen auf die Außenpolitik. Zugegebenermaßen unternahm er einen ausgezeichneten und überraschenden Zug, sich wieder an Rußland anzunähern, und strebte eine starke Zusammenarbeit hinsichtlich Energie und Verteidigung an. Die Russen begrüßten das Angebot mit offenen Armen. Immerhin tat Großbritannien, seit Rußland im 19. Jahrhundert versuchte, Zugang zum östlichen Mittelmeer zu bekommen, alles, was es konnte, um das zu verhindern. Dieser geopolitische Antagonismus war im Wesentlichen das, was Griechenland in den 1940ern vor dem kommunistischen Joch rettete. Churchill, der die völlige Beherrschung des Balkans durch den Nachfolger des zaristischen Rußlands, die UdSSR, befürchtete, drängte Stalin zu dem berühmten Prozentsatz-Abkommen vom Oktober 1944, das Griechenland im westlichen Block hielt. Nach 1945 sank Großbritannien natürlich zu einer zweitrangigen Macht herab, aber es wurde durch die USA ersetzt. Die Amerikaner waren durch die plötzliche Annäherung zwischen Griechenland und Rußland alarmiert. Der Leser sollte wissen, daß Griechenland Milliarden Euros für Waffen ausgibt, um der fortdauernden türkischen Bedrohung aus dem Osten zu begegnen, und die große Mehrheit der Waffen kommt von amerikanischen Firmen. Eine stärkere Beziehung zwischen Griechenland und Rußland könnte abgesehen vom geopolitischen Kopfweh, das es den USA bereiten würde, auch bedeuten, daß Griechenland es vorziehen könnte, russischen Waffen zu kaufen statt in den Vereinigten Staaten hergestellte. Weiters bedeutete es, daß Griechenland nicht so leicht durch die Vereinigten Staaten oder die EU kontrollierbar sein würde, nachdem es die Rückendeckung seines neuen strategischen Verbündeten Rußland hätte. Der Höhepunkt dieser sehr verheißungsvollen Zusammenarbeit war die Unterzeichnung des Abkommens über die Burgaz-Alexandropole-Pipeline zwischen Griechenland, Bulgarien und Rußland. Das Abkommen würde mehrere Vorteile für Griechenland haben. Denn die Pipeline würde Westthrakien gegen zukünftige türkische Übergriffe absichern; sie würde Griechenland hinsichtlich der globalen Energiepolitik zu einem aktiven Mitspieler machen, und es würden sicherlich neue Jobs geschaffen, besonders in einem Gebiet (Westthrakien), wo die Arbeitslosigkeit immer hoch gewesen ist. Wie erwartet, erzürnte das Abkommen die Vereinigten Staaten, und Condoleezza Rice, die damalige US-Außenministerin, verlangte, daß das Abkommen verworfen werde, und machte deutlich klar, daß seine Umsetzung die traditionell guten US-griechischen Beziehungen schwer beschädigen würde.

Trotz der US-Gegnerschaft wurde das Pipeline-Abkommen im März 2007 unterzeichnet, und dem Land und der Administration von K. A. Karamanlis stand ein sehr heißer Sommer bevor. Im späten August, wenige Tage nachdem die Regierung ihre Bereitschaft erklärt hatte, das Land im September in Wahlen zu führen, entstanden plötzlich große Waldbrände in Attika, auf dem Peloponnes und der Insel Evia. Waldbrände sind wohl nichts Neues im Sommer; diesmal jedoch war etwas radikal anders. Die meisten der Brände schienen Teil eines organisierten Plans zu sein, der auf die landwirtschaftliche Produktion und Infrastruktur des Landes abzielte. Dutzende improvisierter Brandsätze wurden entdeckt, und die Feuerwehrstationen im ganzen Land wurden mit falschen Notrufen zu Bränden an isolierten Orten überflutet, als ob jemand die Kräfte der Feuerwehren total desorganisieren wollte. Dieselbe desorientierende Rolle wurde absichtlich oder unabsichtlich von den Medien gespielt, die Informationen vorsätzlich manipulierten, um ihr Publikum zu vergrößern. Ein charakteristisches Beispiel ist die Verbreitung der Nachricht, daß die archäologische Stätte des antiken Olympia wegen des Versagens des Feuerwehrsystems niedergebrannt sei, und natürlich wegen der Unfähigkeit der Regierung. Als die Brände schließlich gelöscht waren, waren Hunderttausende acres verbrannt (1 acre = ca. 4047 m² oder ca. 0,4  Hektar). Jeder begriff, daß das Land von einer der größten Katastrophen in seiner Geschichte getroffen worden war. Der Peloponnes hatte am meisten gelitten, und nach Meinung des Autors aus einem guten Grund. Traditionellerweise sind die meisten Teile des Peloponnes eine Hochburg der Rechten gewesen, es ist das Gebiet von Griechenland, wo der Griechische Unabhängigkeitskrieg von 1821 – 1829 begann und der moderne Staat Griechenland geboren wurde.  Peloponnesier neigen dazu, konservativ gesinnt und patriotisch zu sein, und sie leben vom Land. Jeder, der mit den patriotischen und nationalistischen Kreisen Griechenlands zu tun hat, kann leicht die stark überproportionale Zahl von Peloponnesiern bemerken. Außerdem glaubt der Autor, daß, falls es in der kommenden Auflösung des griechischen Staates einen Ort gibt, wo es der griechischen Nation gelingt zu überleben, es der Peloponnes sein wird, weitgehend wegen der geographischen Lage des Gebiets, der Morphologie des Landes und der Kultur und Natur der Peloponnesier.

In den darauffolgenden Wahlen gewann K. A. Karamanlis knapp. In den nächsten zwei Jahren tat er nichts weiter als gleichgültig zuzusehen, wie sein Land, seine Partei und die Glaubwürdigkeit seiner Regierung den Bach runtergingen. Im Dezember 2008 erschoß ein hitzköpfiger Polizist in Athen einen jungen Anarchisten. Unruhen brachen aus, und die Regierung befahl der Polizei, eine defensive und passive Haltung einzunehmen. In anderen Worten, dazusitzen und zuzusehen, wie die Anarchisten und Linken, begleitet von illegalen Einwanderern, alles in Sichtweite zerstörten. Die Linke glorifizierte die Unruhen trotz ihrer prätentiösen Behauptung, die Gewalt zu verurteilen, und sprach von einer „Revolte“ gegen die Regierung und das kapitalistische System. Natürlich war nichts weiter von der Wahrheit entfernt. Die angebliche „Revolte“ richtete sich weder gegen die Regierung noch gegen den Kapitalismus. Die Ziele der Aufrührer waren nicht die stark bewachten Geschäfte, die den multinationalen Konzernen gehörten, sondern die Geschäfte von Kleinunternehmern, die durch die mangelnde Bereitschaft der Regierung, sie zu schützen, ruiniert wurden. Der weitverbreiteten Zerstörung folgten Plünderungen, an denen illegale Einwanderer aktiv teilnahmen. Die „Revolte“ war ein verheerender Schlag gegen die griechische Mittelschicht. Die meisten Unternehmer und kleinen Geschäftsinhaber in Athen und anderen Großstädten wurden finanziell vernichtet, und infolgedessen verloren die bei ihnen Beschäftigten ebenfalls ihre Jobs. Die Linke, die die Unwilligkeit der Regierung zur Verhinderung der Unruhen ausnützte, schaffte es in ein paar Tagen die traditionellen Kleinunternehmen beiseite zu fegen, die seit Jahrzehnten die Grundlage der griechischen Wirtschaft waren. Nun war der Weg für die gigantischen Einkaufszentren der multinationalen Konzerne endlich offen.

Bis Mitte 2009 waren die ersten Anzeichen der gegenwärtigen Wirtschaftskrise sichtbar, als die Menschen ihre Jobs zu verlieren begannen und keine neuen finden konnten, die Preise stiegen, und zur selben Zeit die Geschäfte und Kleinunternehmen eines nach dem anderen ihren Bankrott erklärten. Zur selben Zeit erlebten ganze Teile der griechischen Hauptstadt Athen und anderer großer Städte Griechenlands eine Invasion von Horden illegaler Einwanderer aus Asien und Afrika und wurden von ihnen besetzt. Griechen und die meisten osteuropäischen Einwanderer wurden aus ihren Gebieten ethnisch gesäubert, nachdem sie nicht in der Lage waren, mit den Neuankömmlingen zu koexistieren. Diese No-go-Gebiete verwandelten sich in gesetzlose Enklaven der Dritten Welt. Griechenland, das zu Beginn der 1990er ein Land mit der außergewöhnlichen Homogenität von 98 % der griechischen Bevölkerung war, wird nun rapide von asiatischen Moslems und Afrikanern kolonisiert. Die Kriminalität und insbesondere die Schwerkriminalität, die es vor den 1990ern fast nicht gegeben hatte, schoß auf ein beispielloses Niveau. Den kommenden Finanzkollaps und den sozialen Umbruch spürend, zog K. A. Karamanlis es vor, seine zweite Amtszeit nicht zu vollenden, und rief Neuwahlen aus. Er wußte natürlich, daß er sie verlieren würde – und setzte sogar aktiv Schritte, um die Wähler weiter zu verprellen, indem er für den Fall seiner Wiederwahl mehr Steuern und eine strengere Wirtschaftspolitik versprach. In der Nacht des 14. Oktober 2009 wurde ein zufriedener und deutlich erleichterter K. A. Karamanlis bei der Wahl niedergeschmettert.

Bibliographie

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Modinos, Polys, Chypre. Le dur chemin de l’histoire (Nikosia: Fondation d’archevêque Makarios III, 1987)

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Woodhouse, C. M., Karamanlis, the restorer of Greek Democracy (Oxford: Clarendon Press, 1982)

Quelle: Ab Aeterno, Nr. 3, Juni 2010

Fortsetzung:  Die griechische Krise verstehen, Teil 2

Source: http://schwertasblog.wordpress.com/2013/11/03/die-griechische-krise-verstehen-teil-1/

 

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