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Dresden 1945

The Frauenkirche, Dresden, before February 14, 1945

Die Frauenkirche in Dresden vor dem 13./14. Februar 1945.

8,325 words

Übersetzt von Deep Roots
English original here

Anmerkung von Greg Johnson:

Der folgende Bericht über die Zerstörung von Dresden in der Nacht vom 13. zum 14. Februar 1945 ist ein Auszug aus Kapitel 10 von Hellstorm: The Death of Nazi Germany, 1944-1947 (Sheridan, Colorado: Aberdeen Books, 2010), das sich vorwiegend mit dem Schicksal unschuldiger Deutscher, hauptsächlich Frauen, Kinder, Alte und Kranke, im letzten Jahr des Zweiten Weltkriegs und in der Zeit danach befaßt.

Fasching ist ein jährliches deutsches Ereignis ähnlich der lateinischen Feier von Mardi Gras. An diesem besonderen Fastnachtsdienstag legen normalerweise biedere, zurückhaltende Teutonen seltsame Kostüme an, gesellen sich zu Freunden oder völlig Fremden, schwärmen in Bars, Restaurants und Theater aus und beteiligen sich dann mehrere Stunden lang an sinnlosen, aber harmlosen Erheiterungen. Wegen der Erfordernisse des Krieges war jedoch die Feier, wie das meiste andere im verwüsteten Reich, fast völlig aufgegeben worden. In nur einer Stadt bestand die Faschingstradition so ziemlich in der Weise fort, wie es immer gewesen war, und in der Nacht des 13. Februar füllten Frauen und Kinder zusammen mit den wenigen verbliebenen Männern die Straßen, um zu feiern.

Dresden war wahrlich einer der größten Kulturschätze der Welt. „Florenz an der Elbe“ genannt, war der alte Schaukasten im Herzen von Sachsen buchstäblich eine Zeitkapsel der gotischen Architektur und mittelalterlichen Kultur. An jeder Ecke jeder schmalen Pflasterstraße gab es ein kunstvolles Schloß, ein Museum, eine Kunstgalerie oder eine hoch aufragende, jahrhundertealte Kathedrale. Wie Paris, Rom und Venedig war Dresden schön, romantisch und dauerhaft. Jahrzehntelang war die Stadt eine der „Pflichtstationen“ für Reisende auf dem Kontinent gewesen, besonders für jene aus Britannien und Amerika.

Die Frauenkirche in Dresden nach der Bombardierung.

Die Frauenkirche in Dresden nach der Bombardierung.

So willkommen es auch war, so verblüffte die Tatsache, daß eine Stadt von der Größe Dresdens überlebt hatte, als alle anderen zerstört waren, manche Einwohner und beunruhigte andere. Nachdem in fünf Kriegsjahren nur zwei winzige Tagesangriffe stattgefunden hatten, nahmen viele an, daß Dresdens Errettung an seinem Ruf als „Stadt der Kunst“ lag; daß es bei einem unschätzbaren, unersetzlichen Schmuckstück der westlichen Kultur sogar „Terrorbombern“ an ausreichendem Hass fehlte, um solche Schönheit auszulöschen. Andere vermuteten, daß der Feind, nachdem Dresden fast keine Schwerindustrie hatte – und das wenige, das es gab, hatte keine Bedeutung für den Krieg – die Stadt einfach nicht für ein geeignetes Ziel hielt. Wenn Skeptiker darauf hinwiesen, daß viele andere schöne deutsche Städte mit wenig oder keiner Industrie systematisch ausradiert worden waren, erfanden Gerüchte neue Gründe für Dresdens wundersames Überleben.

Ein Glaube, den viele hegten, besagte, daß eine Tante von Churchill in Dresden lebte. Ein anderer deutete an, daß die Stadt wegen riesiger amerikanischer Investitionen verschont wurde. Daß Dresden zu einer „Hospitalstadt“ mit zahlreichen medizinischen Einrichtungen geworden war, erschien anderen als rationale Erklärung. Für manche schienen die sechsundzwanzigtausend alliierten Kriegsgefangenen, die in der Stadt interniert waren, eine logischere Antwort zu sein. Unter vielen Dresdnern war jedoch die vielleicht größte Erklärung dafür, daß ihre Stadt lebte, wenn alle anderen starben, daß unzweifelhaft noch immer ein Funke der Gnade in den Herzen britischer und amerikanischer Flieger brannte. Unter all den vielen Namen, unter denen es bekannt war, beschrieb keiner Dresden im Februar 1945 besser als „Stadt der Flüchtlinge.“

Seit der sowjetischen Invasion im Januar waren Millionen verängstigter Herumziehender, die verzweifelt so viel Raum wie möglich zwischen sich und die Rote Armee zu bringen versuchten, in Zügen, Autos, Fuhrwerken oder zu Fuß durch Dresden geflohen. Hunderttausende weitere wurden jedoch – verletzt, verwundet, hungernd oder einfach von ihren Familien getrennt – wie Ausgesetzte auf einer Insel in Dresden angespült. Am Hauptbahnhof war eine Stadt in der Stadt entstanden, in der Tausende Menschen, viele davon verlorengegangene oder verwaiste Kinder, eine halb dauerhafte Existenz führten. Eine siebzehnjährige Rotkreuzhelferin, Eva Beyer, bietet einen Einblick in das herzzerreißende Leid:

Kinder suchten ihre Eltern, Eltern suchten nach ihren Kindern, es gab ständiges Rufen und Fragen. Ein Junge von etwa neun Jahren,

der seine kleine vierjährige Schwester an der Hand hielt, bat mich um Essen. Als ich ihn fragte, wo seine Eltern seien, sagte der Junge zu mir: „Oma und Opa liegen tot im Waggon, und Mami ist verlorengegangen.“ Die Kinder hatten keine Tränen mehr… . In einem Abteil fanden wir eine Frau. Sie hatte dreiundzwanzig Kinder bei sich, und nicht eines davon war ihr eigenes. Sie hatte ihr eigenes Kind drei Wochen zuvor begraben. Ihr Kind war an der Kälte und an Mandelentzündung gestorben. Ich fragte sie, wo all diese anderen Kinder herkämen, und sie sagte mir, daß das alles Kinder waren, deren Eltern verlorengegangen oder tot waren. „Irgend jemand muß doch für sie sorgen“, sagte sie… . Die Gesichter dieser Kinder waren keine Kindergesichter mehr. Es waren die Gesichter von Menschen, die durch die Hölle gegangen waren. Hungernd, verletzt, verlaust, in Lumpen. Und das, was sie am meisten geschätzt hatten, Sicherheit und die Liebe ihrer Eltern, hatten sie verloren.

So wahrhaft entsetzlich die Situation am Bahnhof auch war, so waren die Bedingungen in der umgebenden Stadt wenig besser. Von einer normalen Bevölkerung von 600.000 war Dresden bis zur Nacht des 13. Februar auf vielleicht die doppelte Zahl angeschwollen. Wohin sich die Einwohner auch wandten, fanden sie verängstigte, zerlumpte Flüchtlinge.

„Jedes Restaurant und Cafe, jede Kneipe und Bar… war vollgestopft mit Menschen mit Koffern, Rucksäcken und Bündeln“, schrieb eine Frau. „Man fiel buchstäblich über diese Leute und ihre Habseligkeiten. Es war so schlimm, daß man nicht gerne hinsah, und es verdarb all die übliche fröhliche Atmosphäre des Faschings.“

Dennoch waren trotz der Menschenmassen und der Tatsache, daß die Russen bloß hundertzehn Kilometer entfernt waren, Tausende Dresdner entschlossen, auf die Straßen zu gehen und zu feiern, was bestimmt der letzte Fasching des Krieges sein würde.

Kurz vor zehn Uhr abends ertönten die Sirenen. Es gab keine Panik. Die meisten Einwohner ignorierten die Sirenengeräusche einfach. Selbst wenn es irgendwelche öffentlichen Luftschutzräume gegeben hätte, wären wenige dorthin geflohen, denn es schien in dieser kalten, aber fröhlichen Nacht wenig Zweifel zu geben, daß auch diese Warnung wie die 171 falschen Alarme vor ihr in nichts enden würde. Statt der Entwarnungssirene hörte Dresden jedoch Sekunden später ein anderes Geräusch.

„Plötzlich“, sagte eine erschrockene Frau, „gab es ein Donnern und Röhren, das die ganze Erde erzittern ließ. Ein Erdbeben?“

Noch fast bevor diese Dame und andere die Antwort erraten konnten, wurde der schwarze Himmel über Dresden strahlend hell. Viele Zuschauer waren von den bunten Lichtern geblendet und starrten angstvoll. „Es wird hell, es wird hell, es ist draußen taghell!“ rief ein ungläubiger Freund dem jungen Götz Bergander zu, der drinnen seinem Radio lauschte.

Die müde Rotkreuzhelferin Eva Beyer war Augenblicke zuvor gerade erwacht und besuchte die Toilette:

Ich sah ein grünes Licht durch das Fenster scheinen. Was war das? Als ich die Tür öffnete, konnte ich sehen, was es war. Die „Christbäume“ waren am Himmel… . Ich ging, um die anderen Leute im Gebäude zu warnen… . Ich rannte durchs ganze Haus und rief: „Alarm! Alarm!“ und weckte alle auf…. Weitere fünf Familien wohnten in diesem Gebäude, und insgesamt waren wir elf Frauen, sechs Kinder und ein Mann – Kurt, der verwundete Ex-Soldat. Dann ging ich wieder in die Wohnung zurück und holte die Kinder aus ihren Betten… . Sie begannen zu schreien, weil sie nicht wußten, was geschah, und keine Zeit war, um ihnen irgend etwas zu erklären. Wir gingen alle in den Keller hinunter, und ich legte nur eine Decke um jedes Kind, weil keine Zeit für irgend etwas anderes war. Ich selbst hatte nur mein Nachthemd an, aber ich spürte die Kälte nicht einmal.

Am Bahnhof stand Gisela-Alexandra Moeltgen am Fenster eines wartenden Zuges und sprach mit ihrem Ehemann auf dem Bahnsteig, als die erschreckenden Lichter herunterregneten.

Viele Optimisten blieben, um sich einen guten Sitzplatz zu sichern, aber ich zerschlug das Fenster – es bestand nur aus Karton – packte die Handtasche, in der ich meinen Schmuck trug, packte auch meinen Pelz und stieg durchs Fenster. Die anderen taten es mir gleich. Wir rannten im Dunkeln den völlig geschwärzten Bahnsteig entlang und fanden heraus, daß die Absperrungen geschlossen waren. Dann also über die Absperrungen! Die Polizei wollte, daß wir in den bereits überfüllten Luftschutzraum am Bahnhof gehen, aber wir hatten nur einen Drang – hinaus, und weg vom Bahnhof!…

Wir rannten über die Straße zur Technischen Hochschule, wo es, wie behauptet wurde, einen guten Keller gab. Und über uns – sehr tief – die Flugzeuge. Massen von Menschen waren bereits im Keller, als wir ankamen, und ich brach dann zusammen. Es war mein Herz.

Ich war immer noch sehr schwach, und all das Rennen hatte mich völlig erschöpft. Jemand ersuchte uns, weiterzugehen, weiter in das Gedränge in dem Keller, und das taten wir.

„Fliegeralarm!“ grummelte ein verärgerter SS-Offizier, Claus von Fehrentheil, als er mit halb weggeschossener Hüfte in einem Militärkrankenhaus lag. „Immerhin waren wir der Auffassung, daß wir in einer offenen Stadt waren, weltberühmt für ihre Kunst, unverteidigt, zur ‚Hospitalstadt’ erklärt.“

Erst nach sehr intensiven Bemühungen, uns dazu zu drängen, in Deckung zu gehen, willigten wir ein, in den Keller zu gehen… Zum einen betrachteten wir die ganze Sache zu dieser Zeit als wahrscheinlichen Irrtum. Sodann fühlte sich auch ein Soldat, der an der Front gewesen war, in einem Keller zu eingeengt, einem Ort, wo er keinen drohenden Gefahren ausweichen konnte… Daher standen wir in den Korridoren und auf den Treppen außerhalb des Luftschutzraumes.

„Anziehen, anziehen! Schnell, geht hinunter in den Keller“, schrieen Nonnen in dem Krankenhaus, wo die zwanzigjährige Annemarie Waehmann Patientin war. „Bettlägerige Patienten wurden in Rollstühle gesetzt, und es gab nichts als Hasten und Herumrennen. Wir waren kaum fünf Minuten im Keller gewesen, als [die Bomben fielen]… Dies ist das Ende, dachten wir… Viele schrieen vor Angst und beteten, und wir krochen zitternd unter die Betten.“

„Die Hölle brach so plötzlich über uns los, daß niemand wirklich eine Chance hatte wahrzunehmen, was wirklich passieren würde“, erinnerte sich Erika Simon, deren Eltern des kleine Mädchen und seinen Bruder und seine Schwester nur Sekunden zuvor eilig in den Keller gebracht hatten. „Ich erinnere mich, daß ich meinen Kopf unter einer Decke in den Schoß meiner Mutter gelegt hatte und mir mit beiden Händen die Ohren im Versuch zuhielt, den entsetzlichen Lärm auszublenden.“

Als Welle um Welle der RAF-Bomber über ihnen erschien, fielen Tonnen auf Tonnen von Bomben herunter. „Es war, als ob ein riesiges lautes Förderband über uns hinwegrollen würde“, dachte Götz Bergander, als er den seltsamen, schrecklichen Lärm hörte, „ein Lärm, der von Detonationen und Beben durchsetzt war.“

Zusätzlich zur normalen Sprengstofflast krachten Hunderte von Zwei- und Viertonner-„Blockbustern“ auf Dresden und löschten ganze Stadtviertel aus. Jahrhundertealte Kathedralen, Schlösser, Museen und Wohnhäuser wurden in Sekunden zu Schutt. Am Bahnhof wurden jene Hunderte Individuen, die sich geweigert hatten, ihre begehrten Sitzplätze zu verlassen, in Stücke gesprengt. Im riesigen Hallenzirkus wurden Zuschauer, Akteure und Tiere durch Explosionen und zischende Splitter abgeschlachtet. Auf den Straßen, auf den Gehsteigen, auf den Brücken über die Elbe wurden kostümierte Feiernde, die nirgendwo hinrennen konnten, zu Tausenden getötet. Ohne Unterlaß ging das Massaker weiter.

Weil Dresden jegliche Art von Flugabwehrwaffen fehlte, konnten die feindlichen Flugzeuge so tief fliegen, daß man die Opfer durch die Straßen rennen sehen konnte. Trotz dem und der Tatsache, daß die Nacht „taghell“ war, wurden die zahlreichen Krankenhäuser nicht verschont.

„Uns Patienten“, erinnerte sich Claus von Fehrentheil, „war versichert worden, daß selbst das kleinste Krankenhaus das deutliche rote Kreuz auf weißem Grund auf dem Dach aufgemalt hatte. Es schien uns, als die Nacht fortschritt, daß diese als ausgezeichnete Zielmarkierungen für die Engländer dienten.“

Annemarie Waehmann sagte über ihr eigenes Krankenhaus:

„Es gab ein Krachen und Donnern, Pfeifen und Heulen. Die Wände zitterten, vom Einschlag der Bomben zum Schwanken gebracht. Dies ist das Ende, dachten wir. …Dann schrieen einige der Ärzte: ‚Alle raus aus dem Keller, das ganze Gebäude stürzt ein!’ …Auch ich rannte um mein Leben in das nächste Gebäude… Jeder war in solcher Panik, daß wir nur noch unser nacktes Leben retten wollten.“

Anderswo drängten sich entsetzte Dresdner gegen den Ansturm zusammen, während sich das Toben der Bombardierung steigerte. „Wieder und wieder starrte ich zur Decke und erwartete, daß alles über uns einstürzen würde“, bekannte Margret Freyer aus einem Keller, der dreiundvierzig Frauen enthielt. „Irgendwie hatte ich abgeschaltet und erwartete die endgültige Katastrophe; das muß der Grund dafür gewesen sein, daß ich mich nicht dem Weinen und Beten der völlig verängstigten Frauen anschloß, sondern sie so gut ich konnte zu beruhigen versuchte.“

„Der Angriff dauerte an, und die Stimmung unter uns erreichte das Niveau einer Panik“, erinnerte sich Gisela-Alexandra Moeltgen aus dem überfüllten Hochschulkeller. „Dann ein Ruf – ‚Sofort alle raus, es besteht Einsturzgefahr!’ Wir sind durch die schmalen Kellerfenster hinaus, Flammen peitschten durchs Treppenhaus herunter, das ganze Gebäude war in Brand… Flammen, Flammen wohin immer man schaute.“

„Ich kann meinen Vater sehen, wie er sich gegen diese Wand lehnt“, dachte Erika Simon zurück, „und ich hatte das Gefühl, daß die Wände auf uns zukamen und daß mein Vater sie daran zu hindern versuchte, auf uns herunterzufallen. Und dann“, sagte das überraschte kleine Mädchen, „hörte der Lärm plötzlich auf.“

„Es war absolut still“, fügte ein weiterer Zuhörer hinzu.

Mehrere Minuten später wurde die willkommene Stille durch das noch willkommenere Geräusch des Entwarnungssignals unterbrochen. Diejenigen, die Uhren oder Armanduhren hatten und daran dachten, darauf zu schauen, waren verblüfft – was wie eine die ganze Nacht dauernde Feuerprobe erschienen war, hatte in Wirklichkeit in etwas weniger als einer halben Stunde stattgefunden. In diesen dreißig Minuten jedoch war einer der schönsten Schätze der Welt fast völlig verschwunden. Als die Menschen aus ihren Löchern stolperten, waren sie wie betäubt von dem seltsamen Anblick, der sie begrüßte.

„Aus dem Keller zu kommen, war unvergeßlich“, schrieb der Teenager Götz Bergander. „Der Nachthimmel war rosa und rot erleuchtet. Die Häuser waren schwarze Umrisse, und eine rote Rauchwolke schwebte über allem… Menschen rannten völlig aufgelöst auf uns zu, ascheverschmiert und mit um ihre Köpfe gewickelten nassen Decken… Wir hörten nur ‚Alles weg, alles brennt’.“

„Ich sah nur brennende Häuser und schreiende Menschen…,“ fügte Margret Freyer hinzu, als sie die Straße betrat. „Es war erschreckend – ich fand mich völlig allein wieder, und ich konnte nur das Brüllen der Brände hören. Ich konnte wegen der fliegenden Funken, der Flammen und des Rauchs kaum sehen.“

Diejenigen, die es schafften, die Straßen zu erreichen, fanden ihren Weg fast völlig von umgestürzten Bäumen, Masten, Drähten und eingestürzten Gebäuden versperrt.

Während die benommenen Überlebenden sich eilig in Sicherheit zu bringen suchten, trafen Feuerwehren aus umliegenden Gemeinden ein, um die Feuersbrunst zu bekämpfen. Rotkreuzhelfer erschienen ebenfalls und begannen Überlebende aus dem Schutt zu ziehen.

Währenddessen war im großen Stadtpark in der Stadtmitte eine andere Art von Rettung im Gange. Wie alles andere in Dresden war der großartige Zoo schwer beschädigt worden. Otto Sailer-Jackson, der sechzigjährige Zooinspektor, erinnerte sich:

Die Elefanten schrieen, daß es einem kalt über den Rücken lief. Ihr Haus stand immer noch, aber eine Sprengbombe von fürchterlicher Stärke war dahinter gelandet, hatte die Kuppel des Hauses abgehoben, umgedreht und wieder zurückfallen lassen. Die schweren Eisentüren waren völlig verbogen worden, und die riesigen eisernen Schiebetore, die das Haus gegenüber den Terrassen abschlossen, waren aus den Angeln gehoben worden. Als es mir und einigen der anderen Männer gelang, in das Elefantenhaus zu brechen, fanden wir den Stall leer. Einen Moment lang standen wir hilflos da, aber die Elefanten sagten uns mit ihrem herzzerreißenden Trompeten, wo sie waren. Wir eilten wieder auf die Terrasse hinaus. Das weibliche Elefantenbaby lag auf dem Rücken im schmalen Trenngraben, mit den Beinen nach oben. Es hatte schwere Bauchverletzungen erlitten und konnte sich nicht bewegen. Eine… Elefantenkuh war von irgendeiner enormen Explosionsdruckwelle glatt über den Trenngraben und den Zaun geschleudert worden und stand dort einfach nur zitternd da. Wir hatten keine Wahl, als diese Tiere vorerst ihrem Schicksal zu überlassen.

In anderen Bereichen des Zoos waren Käfige aufgesprengt worden, und verzweifelte Tiere waren in den Park entkommen. Als Sailer-Jackson sich einem Affen näherte, streckte das verängstigte kleine Tier hilfesuchend die Arme nach ihm aus. Zum Entsetzen des alten Mannes sah er, daß der Affe nur blutige Armstümpfe hatte. Sailer-Jackson zog seine Pistole und erlöste das Tier traurig von seinem Elend.

Während die Rettungsarbeiten bis in den frühen Morgen des 14. Februar andauerten, begannen diejenigen in Dresden, deren Häuser den Flammen entgangen waren, mechanisch das Glas und den Verputz von ihren Betten und Böden zu kehren oder Karton über den Fenstern zu befestigen, um die zurückkehrende Kälte draußen zu halten. „Mein Gott, die Arbeit war sinnlos!“ gab eine Frau zu. „Aber sie beruhigte ihre Nerven und ihr Gewissen.“

So erschütternd die Zerstörung ihrer schönen Stadt auch gewesen war, so war niemand in der getroffenen Stadt emotional auf das vorbereitet, was als nächstes kam. Um 1:30 Uhr morgens begann die Erde wieder zu zittern.

„Jemand schrie ‚Sie kommen zurück, sie kommen zurück’“, erinnerte sich der junge Götz Bergander:

Und wirklich hörten wir durch die allgemeine Verwirrung die Alarmsirenen wieder losgehen. Das Alarmsystem in der Stadt hatte zu funktionieren aufgehört, aber wir konnten die Sirenen der benachbarten Dörfer vor einem zweiten Angriff warnen hören. An dem Punkt überkam mich Panik, und ich spreche auch für den Rest meiner Familie und diejenigen, die in unserem Haus wohnten. Es war die reine Panik! Wir dachten, dies könnte nicht möglich sein, daß sie so etwas nicht tun würden. Sie würden nicht noch mehr Bomben auf eine Stadt werfen, die bereits ein Inferno war… . Wir eilten in den Keller.

Margret Freyer war gleichermaßen fassungslos: „Mein Freund und ich sahen einander verängstigt an – das war doch sicherlich nicht möglich? Kommen sie ein zweites Mal? Ich bekam gerade noch die Durchsage des Radiosprechers mit: ‚Mehrere Bombereinheiten nähern sich Dresden.’ Die Stimme des Sprechers war alles andere als ruhig. Mir war schlecht – sie kamen also ein zweites Mal. Mit zitternden Knien gingen wir in den Keller hinunter.“

Noch einmal humpelten oder krochen die bedauernswerten Patienten in Claus von Fehrentheils Militärkrankenhaus nach unten in den Schutzraum oder wurden hinuntergetragen. „Aus dem Motorengeräusch“, merkte der SS-Offizier an, „konnten wir hören, daß diesmal eine sehr große Zahl von Flugzeugen teilnahm, eindeutig mehr als bei der ersten Welle.“

Noch einmal ergoß sich ein wahrer Todesregen auf Dresden hernieder, während mehr als tausend Bomber darüber hinwegröhrten. Zusätzlich zu der üblichen Sprengstofflast brachte die zweite Welle Tausende Brandbomben. „Ein unaufhörlicher Bombenhagel…“ dachte eine entsetzte Margret Freyer. „Die Wände bebten, der Boden bebte, das Licht ging aus, und unsere schwere Eisentür wurde von einer Explosion aufgerissen. Im Keller spielten sich nun dieselben Szenen ab wie zuvor… eine Masse weinender, schreiender oder betender Frauen, die sich übereinanderwarfen.“

„Dies war die Hölle, die wahre Hölle…“, sagte Gisela-Alexandra Moeltgen. „Ich dachte: ‚Das wird doch sicherlich einmal aufhören müssen’“:

Ich hatte das Gefühl, daß jedes einzelne Flugzeug unser Haus zu treffen versuchte, weil es noch nicht brannte, aber vom brennenden Haus nebenan hell beleuchtet wurde. Die Flugzeuge flogen direkt über die Dächer hinweg, oder zumindest hörte es sich so an. Ich rief immer wieder: „Öffnet den Mund!“ Das Geräusch der Bomben – „bschi-bum, bschi-bum“ – kam Welle um Welle. Es nahm kein Ende… Das Haus schien zusammenzukrachen und bebte ständig. Als der Direkttreffer kam, bemerkte ihn niemand, denn das pfeifende Geräusch der Bomben ertränkte alle anderen Geräusche. Auf jeden Fall waren es die anderen, die bestätigten, daß das Haus brannte. Ab diesem Moment fühlte ich mich ein wenig ruhiger. Mein Gefühl war: „Gott sei Dank haben sie es endlich getroffen, und wir leben immer noch.“

Gisela-Alexandra und Tausenden anderer war unbekannt, daß viele der Bomben, die sie in ihre Häuser einschlagen hörten, Phosphorbomben waren. Während Eva Beyer und die anderen Frauen und Kinder im Keller sich entsetzt zusammendrängten, verschwand der verwundete Ex-Soldat Kurt kurz:

Plötzlich war Kurt neben mir, während ich mich zusammenkauerte. Er flüsterte mir sehr leise ins Ohr: „Wir haben Brandbomben im Kohlenkeller, komm schnell und hilf mir, die Dinger rauszuwerfen!“ Ich nahm all meinen Mut zusammen und ging mit ihm mit. Drei Brandbomben lagen dort, und es gelang uns, zwei hinauszuwerfen. Über die dritte konnten wir nur Sand werfen, weil sie bereits zu rauchen begonnen hatte, und man nahm an, daß es nur dreißig Sekunden dauern würde, bis das Ding wie ein Feuerwerk explodieren würde.

Innerhalb von Minuten entzündeten die Tausenden Brandbomben die Trümmer in Dresden, und ein rasender Flammenofen brach aus. Unvertraut mit Bombenangriffen und Feuerstürmen, reagierten die meisten Dresdner langsam. Erika Simon und die Nonnen in einem Militärkrankenhaus erstarrten vor Schrecken.

Da waren wir also, gelähmt von Furcht und Schrecken, klammerten uns in einem Korridor an die Schwester, mitten unter den Toten, den Verwundeten und Soldaten, denen gerade ihre Beine amputiert worden waren und die nun hilflos in dem Chaos auf Tragbahren lagen. Grausig… [waren] die katholischen Schwestern, die ständig ihre Gebete sprachen und über ihren Rosenkränzen murmelten. Ich bin sicher, daß sich niemand die Mühe machte, die schreienden Soldaten zu retten.

Ein Patient, der nicht die Absicht hatte, lebendig gegrillt zu werden, war der schwer verwundete Offizier Claus von Fehrentheil:

Nun war ich im Freien, nicht länger von Mauern umgeben, sondern statt dessen von Flammen.

…Kein Weg war zwischen den Gebäuden erkennbar, kein offensichtlicher Fluchtweg, weil Mauern einstürzten und zu den Schutthaufen beitrugen. Der Sog der Flammen war… stark…. Sogar die Kleidungsstücke, die ich eilig genommen und mir übergeworfen hatte, begannen zu glosen. Wegen der fliegenden Funken wurden meine Augen nutzlos. Ich war blind. Kleine Löcher mußten in die Hornhaut gebrannt worden sein, was unglaublich schmerzhaft war. Sie machten es mir unmöglich, meine Augen kurz zu öffnen, nur um zu sehen, wo ich war.

Eine weitere Person, die entschlossen war zu entkommen, war Margret Freyer:

Raus hier – nichts wie raus! Drei Frauen gingen vor uns die Treppe hoch, nur um händeringend wieder zurückgerannt zu kommen. „Wir können hier nicht hinaus! Draußen brennt alles!“ schrieen sie…. Dann versuchten wir es mit dem „Durchbruch“, der in jedem Keller installiert worden war, damit Menschen aus einem Keller in den anderen hinauskonnten. Aber dort stießen wir nur auf dichten Rauch, der es unmöglich machte zu atmen. Also gingen wir die Treppe hinauf. Die Hintertür, die sich zum Hinterhof öffnete und teilweise aus Glas bestand, stand völlig in Flammen. Es wäre Wahnsinn gewesen, sie zu berühren. Und am Vordereingang leckten eineinhalb Meter hohe Flammen in kurzen Abständen in die Vorhalle.

Trotzdem war klar, daß wir nicht in dem Gebäude bleiben konnten, wenn wir nicht ersticken wollten. Also gingen wir wieder nach unten und nahmen unsere Koffer. Ich legte zwei Handvoll Taschentücher in eine Wasserwanne und steckte sie triefend naß in meine Manteltasche…. Ich machte einen letzten Versuch, jeden im Keller vom Gehen zu überzeugen, weil sie ersticken würden, wenn sie nicht gingen; aber sie wollten nicht. Und so ging ich alleine… .

Ich stand am Eingang und wartete, bis keine Flammen hereinleckten, dann schlüpfte ich schnell hindurch und hinaus auf die Straße.

„Jemand schrie: ‚Alle raus hier, hier brennt’s!’“ erinnerte sich Maria Rosenberger. „Als wir oben ankamen, sahen wir, daß die Straße brannte…. Brennendes Vorhangmaterial flog auf uns zu, und glühende Holzstücke kamen von oben auf uns heruntergeflogen. … Nun begannen alle zum Stadtrand zu rennen, um offenen Raum zu erreichen.“

Wie Maria und ihre Begleiter taten die Opfer, sobald sie auf der Straße waren, alles was sie konnten, um aus der alten Innenstadt zu entkommen, wo der Feuersturm sein Zentrum zu haben schien. Hier, im Herzen des alten Dresden, erreichten die Temperaturen über 3000 Grad. Metalldächer, Kupferkuppeln, Glas, sogar Sandstein verflüssigten sich in der tobenden Hitze und flossen wie Lava herunter. Ein Hurrikan aus Rauch, Flammen und Staub brüllte aus allen Richtungen auf den Wirbel zu, als die kalte Luft außerhalb Dresdens von dem Feuerball angezogen wurde. Viele desorientierte Opfer, besonders die Tausenden Flüchtlinge, bogen in fremden Straßen falsch ab und wurden wie Federn in den Glutofen gefegt.

„Ganz Dresden war ein Inferno“, sagte ein Teenager-Junge. „Unten auf der Straße wanderten Menschen hilflos herum. Ich sah dort meine Tante. Sie hatte sich in eine feuchte Decke gewickelt und rief mir etwas zu, als sie mich sah… . Das Geräusch des aufkommenden Feuersturms erstickte ihre letzten Worte. Eine Hausmauer stürzte brüllend zusammen und begrub mehrere Menschen in dem Schutt. Eine dicke Staubwolke stieg auf, vermischte sich mit dem Rauch und machte es mir unmöglich, etwas zu sehen.“

„Es war wie ‚Die letzten Tage von Pompeii“ erinnerte sich Eva Beyer. „Menschen kamen auf Händen und Knien kriechend daher, um nahe dem Boden zu sein und besser atmen zu können, wußten aber bei Kriechen nicht, ob sie wirklich von dem Feuersturm wegkamen oder sich bloß auf andere brennende Stadtteile zubewegten.“

Während er sich blindlings durch den Holocaust tastete, wußte Claus von Fehrentheil sehr gut, daß er nur Sekunden vom Tod entfernt war:

Man konnte vorhersagen, was als nächstes geschehen mußte: der Sauerstoff in der Luft wird völlig verbrannt, sodaß man bewußtlos wird und kaum bemerkt, daß man verbrennt. Da ich blind war, akzeptierte ich, daß dies geschehen mußte. Plötzlich berührte jemand meine Schulter und sagte mir, ich solle mitkommen. Er hatte einen Weg durch den Schutt nach draußen gefunden. Und so wurde ich, mich am Arm eines Kameraden festhaltend, durch das brennende Dresden geführt.

Wie von Fehrentheil und sein rechtzeitig gekommener Führer versuchten andere verzweifelt, den riesigen Stadtpark oder die offenen Bereiche jenseits der Elbe zu erreichen. Die Versuche der vierundzwanzigjährigen Margret Freyer waren die Versuche vieler:

Wegen fliegender Funken und des Feuersturms konnte ich zuerst nichts sehen… keine Straße, nur Schutt, der fast einen Meter hoch lag, Glas, Träger, Steine, Krater. Ich versuchte die Funken loszuwerden, indem ich sie ständig von meinem Mantel klopfte. Es was sinnlos… Ich zog den Mantel aus und ließ ihn fallen. Neben mir schrie eine Frau ständig: „Meine Bude brennt ab, meine Bude brennt ab“ und tanzte auf der Straße. Beim Weitergehen kann ich sie immer noch schreien hören, aber ich sehe sie nicht wieder. Ich renne, ich stolpere, irgendwohin. Ich weiß nicht einmal mehr, wo ich bin. Ich habe jedes Richtungsgefühl verloren, weil ich nur drei Schritte weit sehen kann.

Plötzlich falle ich in ein großes Loch – einen Bombenkrater, etwa sechs Meter breit und zwei Meter tief, und ich lande dort auf drei Frauen. Ich schüttle sie an ihren Kleidern und beginne sie anzuschreien, sage ihnen, daß sie hier raus müssen – aber sie bewegen sich nicht mehr… Schnell kletterte ich über die Frauen hinweg, zog meinen Koffer hinter mir her und kroch auf allen vieren aus dem Krater. Zu meiner Linken sehe ich plötzlich eine Frau… . Sie trägt ein Bündel in ihren Armen. Es ist ein Baby. Sie rennt, sie fällt, und das Kind fliegt im Bogen in das Feuer. Es sind nur meine Augen, die das aufnehmen; ich selbst fühle nichts. Die Frau bleibt auf dem Boden liegen, völlig still… .

Von irgendwo kommen Hilferufe und Schreie, aber alles rundherum ist ein einziges Inferno. Ich halte ein weiteres nasses Taschentuch vor meinen Mund, meine Hände und mein Gesicht brennen; es fühlt sich an, als würde die Haut in Streifen herunterhängen. Zu meiner Rechten sehe ich ein großes, ausgebranntes Geschäft, wo viele Leute stehen. Ich schließe mich ihnen an, denke aber: „Nein, ich kann hier auch nicht bleiben, dieser Ort ist völlig von Feuer umgeben.“ Ich lasse all diese Leute hinter mir und stolpere weiter… . Vor mir ist etwas, das eine Straße sein könnte, erfüllt von einem höllischen Regen von Funken, die wie enorme Feuerringe aussehen, wenn sie auf den Boden treffen. Ich habe keine Wahl. Ich muß hindurch. Ich presse ein weiteres nasses Taschentuch vor meinen Mund und gelange fast hindurch, aber ich falle und bin überzeugt, daß ich nicht weiterkann. Es ist heiß. Heiß! Meine Hände brennen wie Feuer… . Ich bin darüber hinaus, daß es mich kümmern würde, und zu schwach…

Plötzlich sehe ich wieder Menschen, direkt vor mir. Sie schreien und gestikulieren mit ihren Händen, und dann sehe ich – zu meinem höchsten Schrecken und Erstaunen – wie sie sich einer nach dem anderen einfach zu Boden fallen zu lassen scheinen.

…Ich falle dann, stolpere über eine gefallene Frau, und während ich direkt neben ihr liege, sehe ich, wie ihre Kleider verbrennen. Wahnsinnige Angst packt mich, und von da an wiederhole ich ständig einen einfachen Satz: „Ich will nicht verbrennen – nein, kein Verbrennen – ich will nicht verbrennen!“ Ein weiteres Mal falle ich hin und fühle, daß ich nicht wieder aufstehen werde können, aber die Angst vor dem Verbrennen reißt mich auf die Füße. Kriechend, stolpernd, mein letztes Taschentuch vor den Mund gedrückt… ich weiß nicht, über wie viele Menschen ich falle. Ich wußte nur eines: daß ich nicht verbrennen darf…

Ich versuche wieder einmal, auf die Füße zu kommen, aber es gelingt mir nur, auf allen vieren vorwärts zu kriechen. Ich kann meinen Körper immer noch spüren, ich weiß, daß ich immer noch am Leben bin. Plötzlich stehe ich auf, aber etwas stimmt nicht, alles scheint so weit entfernt zu sein, und ich kann nicht mehr richtig hören oder sehen… . Ich litt unter Sauerstoffmangel. Da, eine Brise! Ich hole noch einmal Luft, atme tief ein, und meine Sinne werden klar.

Durch schieren Willen gelingt es manchen, wie Margret, in Sicherheit zu gelangen – aber den meisten nicht. Allein auf den fernen Hügeln außerhalb von Dresden stehend, starrte ein Besucher in stillem Erschauern auf das feurige Massaker:

Ich verstand nicht, was meine Augen sahen. Ich stand in der Dunkelheit, gelähmt, betäubt, mit Trommelfellen, die von dem höllischen Getöse schmerzten… Es war einfach jenseits des Begreifens, jenseits der wildesten Fantasien. Es schien tatsächlich unwirklich zu sein… Ich sah ein Flammenmeer sich erheben, das … die gesamte Stadt in einer einzigen glühenden Welle überflutete… Das gesamte Gebiet stand in Flammen. Riesige rote und gelbe Feuerzungen brüllten zum Himmel empor. Fließende, zitternde, wahnsinnig dahinrasende Wolken… vermischt mit strahlenden weißen, roten und gelben Explosionen, aus denen die großen Bomber wie Schwärme riesiger Vögel aufzusteigen schienen.

…Ohne jemals zuvor einen großen Luftangriff durchgemacht zu haben, wußte ich sofort, daß hier etwas ganz anderes geschah.

Der Anblick von oben war noch fesselnder. „Dresden war eine Stadt, bei der jede Straße in Feuer geätzt war“, sagte ein RAF-Navigator.

„Aus 20.000 Fuß*“, fügte ein Kamerad hinzu, „konnten wir in dem unirdischen Feuerschein Details sehen, die nie zuvor sichtbar gewesen waren.“ [* ca. 6.000 Meter.]

Für jene Flugzeuge, die sich nach unten wagten, wurde der Anblick schnell persönlicher. „Ich sah Menschen auf den Straßen“, gab ein Besatzungsmitglied zu. „Ich sah einen Hund über eine Straße rennen – und er tat mir leid.“

„Oh Gott“, murmelte ein Besatzungsmitglied wieder und wieder, „diese armen Menschen.“

Nach etwa eineinhalb Stunden brachen die Bomber den Angriff ab und wendeten nach Hause. Ausgestattet mit einer Filmkamera, blieb ein einzelnes Flugzeug zurück, um das Drama aufzuzeichnen:

Da war ein Feuermeer, das meiner Schätzung nach etwa vierzig Quadratmeilen bedeckte. Die Hitze, die von dem Glutofen unten emporschlug, war in meinem Cockpit zu spüren. Der Himmel hatte lebhafte scharlachrote und weiße Farbtöne, und das Licht im Flugzeug war das eines unheimlichen Sonnenuntergangs im Herbst. Wir waren so erschüttert von der fürchterlichen Feuersbrunst, daß wir, obwohl wir allein über der Stadt waren, viele Minuten lang auf Abstand herumflogen, bevor wir uns nach Hause wandten, sehr gedrückter Stimmung wegen unserer Vorstellung von dem Schrecken, der da unten sein mußte. Wir konnten den Feuerschein des Holocausts noch dreißig Minuten nach dem Abflug sehen.

Es geschah auf diesem dunklen Rückflug nach Hause, als die Besatzungsmitglieder Gelegenheit zum Nachdenken hatten, daß manche erstmals zu begreifen begannen, daß der Krieg „einen Schritt zu weit“ gegangen war.

„Zum ersten Mal seit vielen Einsätzen“, bekannte ein jüdischer Pilot, „tat mir die Bevölkerung unten leid.“

„Ich war angewidert“, echote ein Kamerad einfach.

Mit dem gnädigen Abflug der Flugzeuge begannen die Rettungsmannschaften sich bald langsam auf das Stadtzentrum zuzubewegen. „Wegen des Feuersturms war es zuerst nur am Rand der Brände möglich, Hilfe zu leisten“, erklärte ein Helfer. „Ich mußte hilflos zusehen, wie Menschen, die sich an Eisengeländer klammerten, gnadenlos vom Sog erfaßt und in die Flammen fortgerissen wurden. Und nicht nur menschliche Wesen, sondern alle Arten von Dingen, sogar Kinderwagen, wurden von dieser Kraft gepackt und in das Feuermeer gesaugt.“

Als das Inferno später an diesem Morgen endlich nachließ, betraten Retter und Verwandte die immer noch flammende Stadt, um nach Überlebenden zu suchen.

Was wir sahen… war unbeschreiblich, entsetzlich. Überall dichter Rauch. Als wir mit großer Mühe über große Mauerteile und Dächer kletterten, die eingestürzt und auf die Straße gefallen waren, konnten wir hinter uns, neben uns und vor uns verbrannte Ruinen mit dumpfem Krachen einstürzen hören. Je näher wir der Stadtmitte kamen, desto schlimmer wurde es. Es sah wie eine Kraterlandschaft aus, und dann sahen wir die Toten.

„Tote, Tote, überall Tote“, ächzte Margret Freyer, als sie durch die Ruinen stolperte.

Manche völlig schwarz wie Holzkohle. Andere völlig unberührt… Frauen in Schürzen, Frauen mit Kindern, die in den Straßenbahnen saßen, als wären sie nur eingenickt. Viele Frauen, viele junge Mädchen, viele kleine Kinder, Soldaten, die als solche nur durch die metallenen Schnallen ihrer Gürtel zu erkennen waren, fast alle von ihnen nackt. Manche klammerten sich in Gruppen aneinander, als ob sie nacheinander greifen würden. Aus manchen der Trümmer ragten Arme, Köpfe, Beine, zerschmetterte Schädel hervor…. Die meisten Menschen sahen aus, als ob sie aufgebläht worden seien, mit großen gelben und braunen Flecken auf ihren Körpern…. Es gab auch so viele kleine Babies, schrecklich verstümmelt.

„Nie hätte ich gedacht, daß der Tod so viele Menschen auf so viele verschiedene Weisen ereilen könnte“, merkte ein fassungsloser Rettungshelfer an.

Manchmal sahen die Opfer wie gewöhnliche Leute aus, die scheinbar friedlich schliefen; die Gesichter anderer waren schmerzerfüllt, die Körper von dem Tornado fast nackt ausgezogen; da waren elende Flüchtlinge aus dem Osten, die nur in Lumpen gehüllt waren, und Leute aus der Oper in all ihrem festlichen Gewand; hier war das Opfer eine formlose Scheibe, dort eine Ascheschicht…. Durch die Stadt, die Straßen entlang, wehte der unverwechselbare Gestank verwesenden Fleisches.

In der Tat, von all den hässlichen Gerüchen, die durch Dresden wehten – Schwefel, Gas, Abwasser – überdeckte der schwere, süßliche Gestank von gekochtem Fleisch alles. „Es gibt nichts wie das; nichts riecht so“, schrieb eine von Übelkeit geplagte Frau. Was zuerst irrtümlich für Tausende verbrannter, geschwärzter Holzscheiter gehalten wurde, die auf den Straßen verstreut waren, stellte sich bald als verkohlte Leichen heraus, jede auf ungefähr knapp einen Meter geschrumpft. „Den ganzen Weg durch die Stadt“, sagte ein entsetzter Retter, „konnten wir [diese] Opfer mit dem Gesicht nach unten liegen sehen, buchstäblich am Asphalt festgeklebt, der in der enormen Hitze weich geworden und geschmolzen war.“

„Die dünnen und alten Opfer brauchten länger, um Feuer zu fangen, als die fetten oder jungen“, bemerkte ein anderer Zeuge.

Entsetzlicherweise waren viele verzweifelte Angehörige gezwungen, zahllose solcher Leichen zu untersuchen, in der Hoffnung, ihre Lieben zu identifizieren. „Ich kann immer noch meine Mutter sehen“, erinnerte sich die elfjährige Erika Simon, „wie sie sich bückte und tote Kinder umdrehte, oder Stücke toter Kinder, denn sie suchte immer noch verzweifelt nach meinem kleinen Bruder.“

„Eine Gestalt, ich nie vergessen werde“, erinnerte sich ein Rettungshelfer, „waren die Überreste von etwas, das anscheinend Mutter und Kind gewesen waren. Sie waren zu einem Stück zusammengeschrumpelt und verkohlt und klebten fest am Asphalt. Sie waren gerade losgestemmt worden. Das Kind mußte unterhalb der Mutter gewesen sein, denn man konnte seine Form immer noch erkennen, mit den darum geklammerten Armen seiner Mutter.“

An jeder Ecke wartete ein neuer Alptraum. Als sie etwas aus dem Weg trat, das ein verbranntes Holzstück zu sein schien, und erkannte, daß es keines war, rannte die junge Eva Beyer schreiend um eine Ecke. Als sie dort war, erstarrte sie in Entsetzen: Mit klauenartigen Händen an einem Metallzaun hängend wie so viele geschwärzte Ratten, waren da diejenigen – Männer, Frauen und Kinder – die vergeblich versucht hatten, die Barriere vor der Sicherheit zu erklimmen. Der Anblick war zu viel; Eva übergab sich auf der Stelle.

Ein anderer Zeuge schrieb:

In der Mitte des Platzes lag ein alter Mann mit zwei toten Pferden. Hunderte von Leichen, völlig nackt, waren um ihn verstreut…. Neben dem Straßenbahnschuppen war eine öffentliche Toilette aus Wellblech. An deren Eingang lag eine Frau, etwa dreißig Jahre alt, völlig nackt, mit dem Gesicht nach unten auf einem Pelzmantel… Ein paar Meter weiter lagen zwei Jungen, etwa acht und zehn Jahre alt, die sich fest aneinanderklammerten; ihre Gesichter waren im Boden vergraben. Auch sie waren splitternackt. Ihre Beine waren steif und ragten verdreht in die Luft.

Während die meisten Opfer auf den Straßen zu Asche verbrannt waren, saßen andere seltsamerweise laut einem Betrachter „steif in den Straßenbahnwaggons, die Taschen in den Händen, mit offenen Augen, tot, aber mit einem dünnen Rinnsal von Blut, das aus ihren Nasen geflossen oder aus ihren geschlossenen Lippen gekommen war.“

„Eine Frau saß immer noch in einem zerstörten Straßenbahnwagen, als ob sie bloß vergessen hätte auszusteigen“, hielt Maria Rosenberger fest. Ein anderes Opfer, fuhr sie fort, war eine völlig zusammengeschrumpelte Leiche eines Mannes, nackt, seine Haut wie braunes Leder, aber mit intaktem Bart und Haar.

Der Schrecken der Szenerie wurde durch schrecklich verbrannte und verstümmelte Zootiere erhöht, die inmitten des Schutts vor Schmerzen schrieen.

Am Hauptbahnhof, wo vor dem Angriff Tausende und Abertausende untergebracht gewesen waren, entkamen wenige. In dem riesigen Keller unter dem Bahnhof überlebte niemand. Anders als jene oben starben die Opfer unten am Rauch und an Kohlenmonoxidvergiftung. „Was ich sah“, sagte einer, der die Gruft betrat, „war ein Alptraum, erhellt nur vom schwachen Licht der Laterne des Eisenbahners. Der ganze Keller war mit mehreren Schichten von Menschen bedeckt, alle sehr tot.“ Ein weiterer, der Zeuge dessen wurde, fügte hinzu: „Was wir bemerkten… waren nicht so sehr Leichen als vielmehr Menschen, die scheinbar eingeschlafen waren, an den Bahnhofswänden zusammengesunken.“

Wissend, daß die Leute in der Altstadt vor den Flammen in offene Räume fliehen würden, hatte die RAF Tonnen von Sprengbomben in den riesigen zentralen Park geworfen. Hier war die Schlächterei grauenhaft. „Ich konnte abgerissene Arme und Beine sehen, verstümmelte Torsos und Köpfe, die von ihren Körpern abgerissen worden und weggerollt waren“, kommentierte ein Schweizer Besucher, der den Park zu durchqueren versuchte. „Stellenweise lagen die Leichen so dicht, daß ich einen Pfad durch sie freiräumen mußte, um nicht auf Arme und Beine zu treten.“

In den zahlreichen Krankenhäusern in Dresden war die Überlebensrate natürlich viel niedriger, und viele armselige Opfer konnten nur hilflos daliegen, während sie langsam verbrannten. Als Eva Beyer an einer Frauenklinik vorbeikam, beging sie den Fehler, einen Blick hinüberzuwerfen, während Aufräumtrupps Opfer heraustrugen.

„Ich ging in die Knie, zitterte und schrie…“, erzählte die junge Rotkreuzhelferin. „Mehrere Frauen lagen dort mit aufgerissenen Bäuchen… und man konnte die Babies sehen, denn sie hingen halb heraus. Viele der Babies waren verstümmelt… Szenen wie diese sah man überall, und sehr langsam wurde man betäubt. Man handelte wie ein Zombie.“

Später an diesem Morgen, erinnerte sich Erika Simon,

verbreitete sich auf mysteriöse Weise die Nachricht, daß alle Leute, die verloren und hilflos herumwanderten, sich im [Stadtpark] versammeln sollten. Daher begann sich eine graue Menschenmasse langsam in einer Reihe dahinzubewegen. Man hatte aufgehört, ein Individuum zu sein, und war nur Teil einer leidenden Masse. Die graue Reihe von Menschen kletterte über die Trümmer und über die Toten. Man trat mit den Füßen auf verbrannte Leichen und dachte sich nicht einmal etwas dabei.

Als die benommenen Überlebenden sich im Park und entlang der grasbewachsenen Ufer der Elbe versammelten, fanden manche ihre vermißten Lieben. Die meisten jedoch nicht. So von der Hölle um sie herum in Anspruch genommen, wie sie waren, waren wenige sich ihres eigenen Zustandes bewußt. Als Margret Freyer um einen Spiegel bat, war sie verblüfft über das, was sie sah: „Ich erkannte mich selbst nicht wieder. Mein Gesicht war eine Masse von Blasen, und meine Hände auch. Meine Augen waren schmale Schlitze und verquollen, mein ganzer Körper war von kleinen schwarzen, narbigen Malen bedeckt.“ Andere erkannten plötzlich, daß sie selbst schwer verletzt waren, oder daß ihr Haar und ein Großteil ihrer Kleidung verbrannt waren.

Um den Mittag des 14. Februar ließ sich eine seltsame Stille über dem nieder, was einmal Dresden war. „Die Stadt war absolut still“, erinnerte sich Götz Bergander. „Das Geräusch der Brände war erstorben. Der aufsteigende Rauch erzeugte eine schmutzige, graue Dunstglocke, die über der ganzen Stadt hing. Der Wind hatte sich gelegt, aber eine leichte Brise wehte westwärts, weg von uns.“

Und dann kamen, die Stille zerschmetternd, die Geräusche. „Ich dachte plötzlich, ich könnte wieder Sirenen hören“, fährt Bergander fort. „Und wirklich, da waren sie. Ich rief, und zu diesem Zeitpunkt konnten wir bereits das ferne Heulen von Motoren hören… Das Röhren der Motoren wurde immer lauter.“

Als die US-Bomber den Schutt zu Staub zu zersprengen begannen, nahmen amerikanische Jagdflugzeuge die Tausenden von Flüchtlingen im Park, entlang des Flusses und in anderen offenen Räumen aufs Korn. Annemarie Waehmann erinnert sich:

Wir schauten auf und sahen, wie sie immer tiefer flogen. „Sie kommen hierher…“, schrieen wir. Ein paar Männer übernahmen die Führung und erteilten Befehle: „Teilt euch! Verteilt euch! Rennt in die Felder! Runter!“ Während wir im Dreck lagen, krallten sich unsere Hände in die Erde, als ob wir in sie hineinkriechen wollten, sie kamen hinter uns her, Welle um Welle, kreisten, flogen tief, schossen mit ihren Maschinengewehren in die wehrlosen Menschen. Knallende Geräusche links und rechts, hochfliegende Erdbrocken, Schreie. Wie alle anderen, nehme ich an, betete ich: Lieber Gott, bitte beschütze mich. Ein paar Sekunden Pause, als die Flugzeuge kreisten, um wieder auf uns zuzukommen. Die Männer schrieen: „Hoch, hoch! Rennt weiter! Rennt zu den Bäumen!“ … Aber wieder dieser knallende Lärm, als sie gnadenlos in die Menschen feuerten, und Schreie und herumfliegende Erdbrocken… Ich nahm Hilde an der Hand, und ohne uns auch nur einmal umzudrehen, ohne auch nur zu schauen, um zu sehen, wie viele Leute nicht wieder aufstanden, rannten wir.

„Panik brach aus“, sagte der fünfzehnjährige Gerhard Kuhnemund. „Frauen und Kinder wurden mit Kanonen und Bomben massakriert. Es war Massenmord… Während wir uns buchstäblich ins Gras krallten, sah ich persönlich mindestens fünf amerikanische Jagdbomber, die aus einer Höhe von annähernd 120 – 150 Metern das Feuer aus ihren Kanonen auf die Massen von Zivilisten eröffneten. Mein Kumpel wurde bei diesem Angriff neben mir getötet. Es war ein handtellergroßes Loch in seinem Rücken.“

Nahe dem Park sah der Zoowärter Otto Sailer-Jackson in verblüfftem Unglauben, wie ein amerikanischer Pilot Menschen niedermähte, die auf der Straße liefen. „Er griff mehrmals an, flog sehr tief, feuerte aus Kanonen und Maschinengewehren in die Flüchtenden. Dann flog er tief über den Zoo und machte mehrere Schießanflüge auf alles, was er sehen konnte und noch am Leben war. Auf diese Weise fand unsere letzte Giraffe den Tod. Viele Hirsche und andere Tiere, die wir hatten retten können, wurden zu Opfern dieses Helden.“

Obwohl der Angriff nur zehn Minuten dauerte, kehrten die Amerikaner am nächsten Tag zurück, und am nächsten, und am nächsten, anscheinend entschlossen, daß kein einziges lebendes Wesen in Dresden überleben sollte. „Der Schrecken schien kein Ende zu nehmen“, sagte Eva Beyer.

Im verzweifelten Bemühen, Epidemien zu verhindern, beeilten sich die Überlebenden von Dresden zwischen den Angriffen, die Leichen zu beseitigen. Bei Tausenden von Leichen, die die Straßen und Parks übersäten, schien die Aufgabe anfänglich einfach zu sein. „Sie mußten die zusammengeschrumpelten Leichen auf Lastwagen und Fuhrwerke werfen und sie zu flachen Gräbern an den Stadträndern karren“, bemerkte ein britischer Kriegsgefangener, der sich an den Aufräumarbeiten beteiligte. Als jedoch die grausige Arbeit andauerte, wurde bald klar, daß solch ein langsamer Prozeß keinesfalls die enorme Menge von Leichen bewältigen konnte. Daher wurden in verschiedenen Stadtteilen riesige Roste aus Eisenträgern errichtet, und Leichen wurden wie Holzscheiter darauf gestapelt. Wenn die Haufen ungefähr drei Meter Höhe und neun Meter Breite erreicht hatten, wurden Flammenwerfer benutzt, um die Masse in Brand zu setzen. Anderswo errichteten die Arbeiter einfach große Hügel. Eva Beyer sah entsetzt zu, wie Männer Benzin über einen großen Haufen schütteten, der zur Gänze aus Köpfen, Beinen und anderen Körperteilen bestand. Während dieser Hügel loderte, trafen Lastwagen ein und luden weitere solcher Lasten ab.

Als die Bergungsarbeiten andauerten und Arbeiter die Ruinen betraten, standen ihnen noch größere Schrecken bevor. Wie riesige Öfen wirkend, hatten überhitzte Keller ihre Opfer in flüssiges Fett verwandelt.

„Die Rettungskräfte gingen bis etwa knöchelhoch in der Brühe“, erzählte Margret Freyer.

Mit seinem Vater betrat der zehnjährige Thomas Weyersberg den Keller des Familienunternehmens, um Sachen aus der Ruine zu bergen. Trotz des bereits erlebten Grauens waren weder Vater noch Sohn auf das vorbereitet, was sie fanden. „Wir wateten buchstäblich in den Höllenpfuhl“, sagte der Junge, „und trugen fettdurchtränkte Dokumente, Firmenbücher, Briefpapier hinaus [,] sogar einige Schreibmaschinen… Die Wände… waren immer noch warm, als wir vorrückten… und knöcheltief im Fett gebratener Menschen wateten.“

Trotz Dresdens verzweifelter Bemühungen, die Toten zu bergen, warteten zehn Tage nach den Angriffen immer noch „Berge von Leichen“ auf die Entsorgung, und wochenlang beförderten Arbeiter mit Karren und Lastwagen Tausende von Leichen durch die Straßen. Die Zahl der Toten in Dresden übertraf eindeutig jene der Lebenden.

Einen Monat nach dem Massaker berichtete der Polizeichef von Dresden, daß über 200.000 Leichen aus den Ruinen geborgen worden waren. Der Beamte fügte hinzu, daß die Todesziffer möglicherweise 250.000 erreichen könnte. Später schätzte das Internationale Rote Kreuz, daß 275.000 bei den Angriffen gestorben waren. Wegen der unglaublichen Bevölkerungsdichte Dresdens in der Nacht vom 13. zum 14. Februar, weil Tausende der Opfer nicht registrierte Flüchtlinge waren, weil viele Leichen entweder für immer in den Ruinen begraben lagen oder einfach wie Wachs weggeschmolzen waren, könnte es leicht sein, daß andere Schätzungen, die die Zahl der Toten mit 300.000 bis 400.000 angeben, näher an der Wirklichkeit liegen.

Als sich die Nachrichten aus Dresden langsam im Rest des Reiches verbreiteten, gab es Schock und Entsetzen, aber großteils Zorn. „Dresden war eine herrliche Stadt…“, schrieb Ruth Andreas-Friedrich in ihr Tagebuch. „Es ist ein wenig schwer, sich an die Vorstellung zu gewöhnen, daß Dresden nicht mehr existiert. Mir ist beinahe zum Weinen zumute.“ Und Rudolf Semmler, ein Assistent des Propagandaministers, vermerkte ebenfalls, daß öffentlich zur Schau getragene Fassaden der Stärke und des Mutes im stillen Kämmerlein bröckeln konnten: „Zum ersten Mal sah ich Goebbels die Selbstkontrolle verlieren, als er vor zwei Tagen die drastischen Berichte von der Katastrophe in Dresden erhielt. Tränen traten ihm vor Kummer und Zorn und Schrecken in die Augen. Zwanzig Minuten später sah ich ihn wieder. Er weinte immer noch und sah wie ein gebrochener Mann aus.“

Als die Nachricht von der Bombardierung Dresdens erstmals Großbritannien erreichte, gab es anfänglich Freude. Daß die siebtgrößte Stadt in Deutschland von der Landkarte gebrannt sein sollte, war „eine wunderbare Nachricht“, trompetete die britische Presse; daß Hunderttausende Frauen und Kinder dabei zu Asche verbrannt sein sollten, war ebenfalls „ein unerwarteter und glücklicher Bonus“. Der Kabinettsminister Sir Archibald Sinclair stimmte dieser Einstellung von Herzen zu und bezeichnete den Feuersturm in lyrischer Weise als „Crescendo der Vernichtung“.

Als jedoch mehr Fakten und Informationen aus neutralen schweizerischen und schwedischen Quellen einzulangen begannen, waren viele auf der ganzen Welt entsetzt. Zum ersten Mal in dem Krieg erfuhren jene in England, Amerika und anderswo, was Deutsche seit drei Jahren gewußt hatten – die Alliierten betrieben „vorsätzliche Terrorbombardements“. Erzürnt und beschämt durch solch einen Kurs, wo der Krieg eindeutig kurz vor dem Ende stand, teilte Richard Stokes im House of Commons aus: „Was geschah am Abend des 13. Februar? Es waren eine Million Menschen in Dresden, einschließlich 600.000 ausgebombter Evakuierter und Flüchtlinge aus dem Osten… Als ich den Minister von dem ‚Crescendo der Vernichtung’ sprechen hörte, dachte ich: Was für ein großartiger Ausdruck für einen Kabinettsminister Großbritanniens in diesem Stadium des Krieges.“

Die meiste Empörung aus allen Gesellschaftsschichten richtete sich gegen Arthur Harris, den Chef des Bomber Command.

„Beim Briefing wurde uns gesagt, daß Tausende an Panzertruppen in den Straßen [Dresdens] seien, die entweder zur russischen Front unterwegs waren oder von dort zurückkamen“, erklärte ein zorniges RAF-Besatzungsmitglied später. „Mein persönliches Gefühl ist, daß einige von uns nicht geflogen wären, wenn man uns beim Briefing die Wahrheit gesagt hätte.“

„Einfach ohne Gegenwehr darüber hinwegzufliegen, fühlte sich wie Mord an“, fügte ein Kamerad hinzu. „Ich hatte das Gefühl, daß es ein feiger Krieg war.“

Einst von vielen zuneigungsvoll „Bomber“ Harris genannt, erwarb sich der Air Marshal nach Dresden einen neuen Spitznamen – Butcher. „Butcher Harris kümmerte es nicht, wie viele Männer er verlor, solange er deutschen Zivilisten die Scheiße aus dem Leib prügelte“, knurrte ein britischer Flieger.

Inzwischen begann sich der Mann, der direkt für das Massaker von Dresden verantwortlich war, öffentlich sowohl von Harris als auch von den Terrorbombardements zu distanzieren. Winston Churchill:

Es erscheint mir, daß der Moment gekommen ist, an dem die Frage der Bombardierung deutscher Städte einfach um der Erhöhung des Schreckens willen, wenn auch unter anderen Vorwänden, neu betrachtet werden sollte. Die Vernichtung Dresdens bleibt eine schwerwiegende Frage gegen die Durchführung der alliierten Bombeneinsätze… Ich empfinde das Bedürfnis nach genauerer Konzentration auf militärische Ziele… statt auf bloße Terrorakte und mutwillige Zerstörung.

Im Widerspruch zu öffentlichen Erklärungen ging der Luftterror ungemindert weiter. Im Furor wegen Dresden ging die Einebnung von Pforzheim in Westdeutschland am 23. Februar beinahe völlig unter. Obwohl viel kleiner als Dresden, wurde die Stadt in neunzehn Minuten völlig zerstört, mit nahezu 20.000 Toten. Kurze Zeit später wurde die „Hospitalstadt“ Würzburg in gleicher Weise eingeäschert. Zusätzlich führten amerikanische Flugzeuge in etwas, das wie ein Versuch der Ausweitung des Krieges erschien, Schläge gegen die neutrale Schweiz, griffen Schaffhausen Ende Februar an und trafen Basel und Zürich am 4. März.

*   *   *   *   *   *

Im Original-Kommentarstrang dazu auf „Counter-Currents“ schrieb Leser „FWM“ in seinem Kommentar:

Ich konnte es nicht lassen und machte mich an die Suche bezüglich des einsamen Flugzeugs, das den Feuersturm filmte. Bin nicht sicher, ob es das ist, aber hört euch die Wochenschau-Propaganda an:

https://www.youtube.com/watch?v=G-ONKg5ci3I

Das habe ich getan, und dort auf YouTube bin ich auch auf dieses 14minütige Video zu Kevin Alfred Stroms Essay Heute vor 66 Jahren: Dresden, ein echter Holocaust gestoßen:

https://www.youtube.com/watch?v=axx7uUtM7Hw

Darin sind am Anfang auch viele Szenen aus dem unzerstörten alten Dresden zu sehen. Als Ton wurde die Radiosendung verwendet, auf der Kevin Stroms Artikel beruht, und der Sprecher dürfte er selbst sein.

Siehe auch:

Totengedenken anlässlich der Zerstörung Dresdens vom AdS-Team
Kulturgenozid von Barbarossa
Heisenberg und die Bombe von Dunkler Phönix
Die Bedeutung des Geschichtsbilds für unsere Überlebenschancen I und II von Sternbald
Churchill: Mehr Mythos als Legende von Patrick Foy
Luftfahrt, Geographie und Rasse von Charles Lindbergh
„Wer sind die Kriegshetzer?“ Charles Lindberghs Rede in Des Moines am 11. September 1941
Die Erweiterung des Patriotismus von Sir Oswald Mosley

Source: http://schwertasblog.wordpress.com/2014/02/15/dresden-1945/

 

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